Überzeugende Talentproben

Palermo, Bartók: Herzog Blaubarts Burg, Ibert: Persée et Andromède

Opernwelt - Logo

Zuerst die Tragödie, dann die Komödie. Diesem Schema folgt die Kombination des Einakters von Bartók mit der zweiaktigen, aber nur vierzig Minuten langen Perseus-Oper Jacques Iberts von 1922 auf ein Libretto von Nino. Doch bedenkt sie nicht das Gewicht der Dinge. Nach dem symbolistischen Libretto von Béla Balács und Bartóks expressionistischer Musik kamen impressionis­tisch getönte Mediterranée und ironischer Text eher leichtgewichtig daher.

Gewiss sind die Stücke Pendants der Metaphorik: Blaubarts Schloss die Seele des Mannes voll dunkler Geheimnisse, Andromeda die Verkörperung weiblicher Unergründlichkeit. Halb Mélisande, halb Lolita, wird sie vom Drachentöter Perseus befreit – aber sie verabscheut den Befreier, der beleidigt abrauscht, erweckt hingegen das getötete Monster durch ihre Liebe wieder zum Leben.
Ibert schrieb sein sarkastisches Operchen zwar in Italien, doch erst jetzt brachte Jan Latham Koenig in Palermo die italienische Erstaufführung zustande: Mit dem gelungenen Abend gab er seinen Einstand als neuer Opernchef des Teatro Massimo. Finanziell pragmatisch: Die Bartók-Inszenierung, neun Jahre alt, kam aus dem Fundus.
Jan Latham Koenig ist kein rauschender Dramatiker, ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt August 2005
Rubrik: Panorama, Seite 49
von Dietmar Polaczek

Vergriffen
Weitere Beiträge
Furchtbare Frauen

Die Zeiten sind vorüber, in denen Asiens große Festivals reine Import-Betriebe für Klassik aus dem Westen waren. In Singapur ist diese Tendenz derzeit besonders deutlich zu besichtigen. Stolz ausgestattete Museen feiern die eigene ­Geschichte, multimedial aufgedonnerte Ausstellungen begeben sich auf die ­Suche nach der eigenen Identität, und auch das Singapore Arts...

Schicksal eines Underdogs

Bei der Uraufführung einer Rameau-Oper, so ist über­liefert, rügten einst die Orchestermusiker, sie seien mit der Wiedergabe der komplexen Partitur derart beschäftigt, dass ihnen nicht einmal die Zeit zum Schnäuzen bleibe. Auch die Kieler Philharmoniker dürften sich gehörig gefordert gefühlt haben, als sie sich unter dem ebenso kenntnisreichen wie befeuernden...

Das Wiener «Dönchen»

Die einen halten es mit der alten Furtwängler-Aufnahme, die anderen schwören auf Harnoncourt, wieder andere erinnern sich an Karajan – die Geschichte des Mediums DVD ist noch vergleichsweise jung, doch an Dokumenten von Mozarts «Don Giovanni» mangelt es nicht. Jetzt gesellen sich zwei weitere Alternativen dazu.
Riccardo Muti leitete bei den Wiener Festwochen 1999...