Kind geblieben
Herr Konwitschny, fühlen Sie sich eigentlich als Angehöriger einer aussterbenden Spezies, nachdem die Schauspielregisseure in der Oper überhandgenommen haben?
Überhaupt nicht. Ich fühle mich eher als einer der ganz wenigen, die sich noch ernsthaft um die Stücke bemühen. Und Gott sei Dank habe ich Schüler, die genauso denken. Die Schauspielregisseure haben ein Problem: Sie machen meistens die Rechnung ohne den Wirt. Die Musik kommt ja nicht dazu, von ihr geht vielmehr alles aus. Da sind viele vollkommen hilflos.
Heutzutage ist es ja außerdem so: Wenn man die ethischen Botschaften eines Stücks zu deutlich inszeniert, reagieren die Leute verschnupft.
Wie kann das sein? Die Operngänger müssten doch längst konditioniert sein auf eine zeitgemäße Stückbefragung ...
Na ja, dieses Publikum stirbt aus. Jetzt sitzen da diese EventJünger, VIP-Personen ohne richtiges Hintergrundwissen. Boris Becker finde ich toll, doch so einer ist früher meines Wissens nicht in die Oper gegangen. Auch Angela Merkel geht seit Längerem nach Bayreuth und fand kürzlich Wolf Biermann ganz nett. Vielleicht würde sie mich mittlerweile auch umarmen ... Wobei ich zugebe, dass man nicht alle über einen Kamm scheren darf.
Ge ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Januar 2015
Rubrik: Interview, Seite 30
von Markus Thiel
Von Zeit zu Zeit, und wenn der Lauf der Dinge wieder mal nicht so ist, wie er sein sollte, denkt der geschichtsbewusste Österreicher an den guten alten Kaiser Ferdinand I. mit dem Beinamen «der Gütige». Wobei Letzterer sich weniger auf des Regenten Wohltätigkeit als auf seine limitierten intellektuellen Fähigkeiten bezog. So soll er, mit der 1848er-Revolution der...
Jubilare
Er wurde am 10. Januar 1935 auf einer Milchfarm in einem Vorort von Chicago geboren und lernte dank der frühen Förderung durch seine musikalische Mutter schon als Kind Klavier, Geige, Bratsche, Kontrabass, Klarinette und Tuba. Sherrill Milnes studierte u. a. an der Drake University Musikpädagogik und wollte ursprünglich Lehrer werden, bevor er an...
Wer alles auf eine Karte setzt, handelt meist aus purer Verzweiflung. Dass die Sache mit dem Trumpf, der mit einem Stich alle Probleme löst, meist schiefgeht, ist keine grundstürzend neue Erkenntnis. Und doch scheint die Hoffnung auf den einen großen Befreiungsschlag unwiderstehlich. Sie gedeiht besonders gut, wenn einem die Schwierigkeiten über den Kopf zu wachsen...
