Bodenständig, weltoffen
Berühmt und gleichwohl schlicht sind die Namen der Berliner Philharmoniker, der Bamberger Symphoniker oder des Cleveland Orchestra. Sie verraten lediglich den Hauptsitz dieser künstlerischen Verbände, der heutzutage freilich immer weniger mit dem Herkunftsort der dort beschäftigten Musiker zusammenfällt. Andere Klangkörper nannten sich nach einer Gründerfigur – das Hallé-Orchester in Manchester, das Kurt-Graunke-Symphonieorchester in München.
Bezeichnungen wie «Sächsische Staatskapelle» verweisen auf eine höfische Vergangenheit; im traditionsbewussten England tragen die Mitglieder des Royal Philharmonic den königlichen Namen weiter. Auf emphatische Ambitionen deuten Orchesternamen, die Gustav Mahler, das Zeitalter der Aufklärung oder den Westöstlichen Diwan (die beiden Letzteren in der englischen lingua-franca-Version) beschwören. Altertümlich zünftlerisch erinnern das Gewandhaus- und das Gürzenichorchester an die überkommene bürgerliche Stadtkultur in Leipzig beziehungsweise Köln.
An älteren künstlerischen Gemeinsinn gemahnt auch die Benennung des Opern- und Museumsorchesters in Frankfurt. Der repräsentative Klangkörper der Mainstadt (mit dem des Hessischen Rundfunks beherbergt ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Der Streit um Sinn oder Unsinn, vergessene Opern «auszugraben», ist so alt wie dieser Versuch selbst. Als das Nationaltheater Mannheim Carl Orff 1925 die Möglichkeit gab, Monteverdis «Orfeo» für das lebendige Theater zurückzugewinnen, war der Erfolg entmutigend. Zur Premiere waren zwar Musiker, Musikwissenschaftler, Intendanten und Spezialisten aus dem ganzen...
Christoph Schlingensief war ein Passions-Künstler und Ritual-Verweser. Vieles bei ihm kam aus Wagners Opernwelt – und führte wieder in diese zurück: Das Gesamtkunstwerk wird globalisiert und lokalisiert zugleich, das gilt für Bayreuths Grünen Hügel wie für die Grünen Hügel Afrikas. Schlingensiefs Tod zwingt erneut zum Nachdenken über Kunst und Leben.
Es war gewiss...
Sängerin und Sänger des Jahres 2010 sind Marlis Petersen und Christian Gerhaher. Zur Uraufführung des Jahres wurde Aribert Reimanns «Medea» gewählt, Dirigent des Jahres ist Ingo Metzmacher. Einen Überblick aller Gewinner in diesem Jahr finden Sie hier.
Ebenfalls in der aktuellen Ausgabe:
Wiener Welt:
Nach 19 Jahren ist die Ära Ioan Holender an der Wiener Staatsoper...
