Alles Japan oder was?

Puccini: Madama Butterfly
Basel | Theater

Opernwelt - Logo

So einer ist zum Fremdschämen. Filmt seine eigene Hochzeitszeremonie mit Selfie-Stick. Überlässt seine Braut sich selbst und tapst selbstverliebt durch die ganze fernöstliche Kulisse. Wie ein Yankee 2.0: Make America great again. Preisfrage – welche Oper? Natürlich «Madama Butterfly». Am Theater Basel hat sich Vasily Barkhatov nach seinen beiden – umjubelten – Auseinandersetzungen mit russischen Opern nun Puccini vorgenommen.

Zusammen mit dem italienischen Dirigenten Antonello Allemandi erarbeitete der russische Regisseur eine Mischfassung: in der Hauptsache aus der gängigen von 1906, mit Erweiterungen aus der ersten, beim Publikum durchgefallenen von 1904.

Dadurch erfahren die Figuren eine noch stärkere Charakterisierung oder Aufwertung, etwa Kate Pinkerton oder Konsul Sharpless, allen voran aber Lieutenant B. F. Pinkerton, dessen post-koloniales Gebaren dem moderner westlicher Reisender gar nicht unähnlich ist – der Sextourismus von heute unterscheidet sich von dem um 1900 allenfalls durch das verbesserte technische Equipment … Die Basler Inszenierung scheint von dieser Grundüberlegung auszugehen. Und weil Geld zu keiner Zeit gestunken hat, machen alle mit. Auch die ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Juni 2019
Rubrik: Panorama, Seite 35
von Alexander Dick

Weitere Beiträge
TV-Klassiktipps Juni 2019

alpha

23.06. – 20.15 Uhr
Offenbach: «Les contes d’Hoffmann»

Bayerische Staatsoper (2014)
ML: Carydis, I: Jones, S: Damrau, Villazón, Conners, Relyea, Brower, von der Damerau, Reß, Power, Stephinger

arte

02.06. – 17.40 Uhr
Werke von Monteverdi, Malvezzi, Gagliano, Caccini

Aus dem Spiegelsaal von Schloss Versailles
ML: Pichon, S: Desandre, Zaïcik, Richardot, Gonzalez...

Was kommt... Juni 2019

Fanny Ardant
Ihr Spiel umwehte stets  ein leiser Hauch von Exzentrik. Noch in ihren letzten Filmen zeigte die französische Diva, über welche darstellerischen Farben sie verfügt. Nun wagt sie sich, gerade 70 Jahre jung geworden, an die Oper und inszeniert in Athen Schostakowitschs «Lady Macbeth von Mzensk». Wir fahren hin

Cecilia Bartoli
Die Rolle passt...

Rausch der Verwandlung

Die Szene kennen wir, sie zählt zu den entrücktesten des Stücks. «Tannhäuser», dritter Akt, wenige Minuten nach dem Entrée, das Lento. Ein Engel fleht um Aufnahme in den himmlischen Kreis, «mit halber Stimme», in hauchdünnem pianissimo und jenem silbrig schimmernden Ges-Dur, das Richard Wagner mit Bedacht für Elisabeths Gebet wählte, um ihrem Ansinnen den nötigen...