Die Gezeiten einer Stimme

Rolando Villazóns Recital «Cielo e mar» und sein Bühnen-Comeback an der Wiener Staatsoper

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Vor vielen Jahren klebte in Gelsenkirchen ein Plakat mit dem Text «An Jesus kommst du nicht vorbei». Einer schrieb darunter: «Stan Libuda immer». Eine zarte Blasphemie, über die vermutlich auch Gott schmunzelte. Was das mit Rolando Villazón zu tun hat? An ihm und seinem Comeback nach der etwa halbjährigen freiwilligen Auszeit käme im Augenblick wohl auch der legendäre Rechts­außen von Schalke 04 nicht vorbei, zumindest in der Welt der Oper.

Der sportive Vergleich ist im Übrigen nicht so weit her­geholt: Als der Sänger Anfang Januar an der Wiener Staatsoper im «Werther» nach dem Sabbatical die Bühne wieder betrat, ermunterte das Publikum ihn mit energischem Auf­trittsapplaus ganz in der Art jenes «Come on boy, you can do it», mit dem man angeschlagene Boxer aufbaut. Und man könnte sich vorstellen, dass Schallplattenmanager angesichts seines neuen Recitals, des ersten beim renommierten Gelblabel, mit dem Argument «Junge, gerade jetzt kannst du doch nicht schlapp machen» auf ihn einzuwirken versuchten.
Villazóns Problem war und ist, dass die dunkle, männliche Glut seines Timbres den Spinto suggeriert, der er (noch?) nicht ist. Sein so prächtig feuriges, aber schlankes Organ findet wohl ...

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Opernwelt April 2008
Rubrik: CDs, Seite 52
von Gerhard Persché

Vergriffen
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