Liebe im Kopf
Die Sache ist heikel. Das Libretto nach einem Buch des japanischen Nobelpreisträgers Yasunari Kawabata erzählt die Geschichte eines Freudenhauses, das alten Männern ein besonderes Vergnügen bietet. Sie dürfen die Nacht im Bett mit einem sehr jungen, in Tiefschlaf versetzten, unbekleideten jungen Mädchen verbringen. Erlaubt sind keine Berührungen, nur Gedankenflüge. Aber die umfassen durchaus erotische, sogar Gewaltfantasien.
Komponist Kris Defoort und Regisseur Guy Cassiers, gemeinsam mit Marianne van Kerkhoven auch Librettisten, setzen das so zurückhaltend und diskret in Szene, als wollten sie demonstrativ jedem Gedanken an den Fall Dutroux, der sich keine 100 Kilometer entfernt von Brüssel zugetragen hat, einen Riegel vorschieben. Und doch bewahrt sie das nicht davor, bei den Besprechungen selbst in einem seriösen Medium wie Deutschlandradio mit Schlagzeilen wie «Japanischer Kinderschänder sucht Belgien heim» konfrontiert zu werden.
Dabei schlägt bei dieser Oper die bisweilen arg schwergewichtige philosophische Tiefe jede sexuelle Leichtigkeit aus dem Feld. Die drei als sich steigernde Folge beschriebenen Nächte im Bett mit der schlafenden Schönheit lösen bei Yoshio, dem ...
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Gut zwei Jahrzehnte ist es her, dass der Dirigent Stephen Crout die Washington Concert Opera (WCO) ins Leben rief. Seit 1987 hat die Company in dem 1550 Plätze bietenden Lisner Auditorium der George Washington University 38 Opern präsentiert. Crout konnte etwas Geld von Stiftungen einwerben, doch den größten Teil des Budgets stellen die Abonnenten und private...
Es war eine Herzensangelegenheit. Als eine der letzten Inszenierungen in seiner mit dieser Spielzeit zu Ende gehenden Ära als Intendant der elsässischen Rheinoper hat Nicholas Snowman die Neuproduktion von Massenets «Werther» verantwortet – «ein Werk, das ich in mehrfacher Hinsicht liebe», wie er im Programmheft schreibt. Voilà, es ist ein schönes, nein, ein...
Polizeikordons in der Altstadt von Brno. Am Platz vor der Reduta, in der schon der elfjährige Mozart konzertiert hatte, sammelten sich Demonstranten, der milde Sonnenschein mochte so gar nicht mit der Aggression übereinstimmen, die in der Luft lag. Ein Tag im Mai, die Rechten wollten aufmarschieren, die Linken hatten viel dagegen. Der Platz war gut gewählt, gilt...
