Sichtbar im Dunkeln
Natürlich dürfen wir uns Schumanns Faust nicht leibhaftig vorstellen. Als Grübler mit gebeugtem Kopf, zerfurchter Stirn, in fadenscheiniger Kluft. Auch Gretchen ist bei ihm nicht eine Verführte aus Fleisch und Blut, so wenig wie Mephisto ein hölleneifrig-zynischer Tatmensch, der ihren und manch anderen Fall einfädelt.
In den Bruchstücken, die Schumann für sein über fast zehn Jahre hinweg (von 1844 bis 1853) entstandenes Werk für Solostimmen, Chor, Kinderchor und großes Orchester aus Goethes Dichtung, vor allem aus deren zweiten Teil, exzerpierte, haben wir es eher mit Luftwesen zu tun, ungreifbaren Kreaturen, körperlos und zeichenhaft. Ihre Heimat ist die Sphäre des Traums, der Fantasie, ihr Lebenselixier die Vorstellungskraft des Geistes.
Dass die «Szenen aus Goethes Faust» vom Ende, von der – fast vollständig in Musik gesetzten – allegorischen «Verklärung» des rastlos durch Zeiten und Welten getriebenen Helden her konzipiert wurden, passt ins Bild. Die mystische Errettung Fausts ist Ausgangs- und Fluchtpunkt der 14 Nummern. Sein Werdegang wird gleichsam rückwärts aufgerollt, nicht als pralles Drama, sondern in Tableaus, als Theater, das im Kopf des Betrachters spielt. Vom ...
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Opernwelt Dezember 2018
Rubrik: Im Focus, Seite 10
von Albrecht Thiemann
Ein Tisch ist ein Tisch ist ein Tisch? Nun ja, manchmal ist ein Tisch nicht mehr als ein bemühtes Requisit, hier aber ist er ein Füllhorn an Geschichte(n). An diesem Tisch (graues Resopal) haben sich Tragödien ereignet, individuelle, familiäre, gesellschaftliche; Tragödien, die stets am Rande der Groteske wohnen und doch tief ins Innere der Protagonisten blicken...
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Das Prinzip Hoffnung – es ist noch nicht erschöpft in Alexandra. Obwohl kaum etwas für Aufbruch, Zuversicht, Lust auf Zukunft zu sprechen scheint, wenn man durch die staubigen Straßen dieser Vorstadt fährt. Etwa 200.000 Menschen leben hier auf engstem Raum, viele in notdürftig zusammengeflickten Behausungen aus rohen Ziegeln, Wellblech, Pappe. Wie schon ihre...
