Sinnlicher Grübler
Christian Gerhaher mag selbst etwas von Faust haben. Auch er ist, wenn man so will, ein Grübler, ein unaufhörlich Suchender. Nur ein nach Macht gierender Mensch ist er nicht, doch davon später. Jedenfalls war auch sein Don Giovanni in Frankfurt kein planes Abbild eines Sexmächtigen, sondern eher ein im Eros verschlissener, nachdenklicher, ja brütender Antiheld. Don Juan und Faust, zwei Seelen wohnen, ach...: «Es geht Faust nicht nur um Erkenntnis, sondern auch ganz stark um Erleben. Dieses sinnliche Erleben ist meist ein unterrepräsentierter Aspekt des ‹Faust›-Dramas..
», so Gerhaher im Booklet dieser Live-Aufnahme von Schumanns «Szenen aus Goethes Faust». Es gehe um Liebe, sinnliche Erkenntnis, um höchste Schönheit, aber auch um Politik und Macht, sogar um Landgewinn. Faust müsse «den ganzen Horizont menschlicher Gier und Neugier abschreiten».
Dies faszinierte schon Robert Schumann an Goethes eigentlich als Lesedrama geplanter Tragödie, vor allem an deren allegorisch-transzendentem zweiten Teil, aus dem er auch die Hauptlast dieses Werks bezog. Lange Jahre kämpfte der Komponist mit der Materie; eine Oper sollte es ursprünglich werden und wurde dann zum genialen Mixtum compositum, ...
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Opernwelt Februar 2015
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 22
von Gerhard Persché
Schwammerl» nannten ihn seine Freunde. Im Hochdeutschen bedeutet das «Pilzling»; es zielte wohl auf Franz Schuberts körperliche Disposition: untersetzt, klein, beleibt. Und in Gesellschaft oft scheu und irritiert. Doch das war quasi die Vorderansicht, die Hülle des Komponisten. Um die Rückansicht, die Innen- und Nachtseite, um den Schöpfer von zuletzt...
Ran an die Raritäten
Erfurt macht «Sigurd» von Ernest Reyer, Osnabrück Manfred Gurlitts «Soldaten» und Oldenburg Mieczyslaw Weinbergs «Der Idiot». In Frankfurt gibt’s Antonio Cestis «L’Orontea», in Paris André Campras «Les Fêtes venitiennes» – der nächste Monat bringt Randständiges im Überfluss.
Wahn, Wahn, Wahn
Diana Damrau singt an der Bayerischen Staatsoper eine...
Das Geschäftsmodell hat damals gar nicht schlecht funktioniert. Komponist und Librettist konzipierten eine Huldigungsoper, bezahlen musste sie der Adressat beziehungsweise der diplomatische Vertreter, der gerade in Hamburg ansässig war. Auf diese Weise kam auch 1702 am Gänsemarkt Reinhard Keisers «Sieg der fruchtbaren Pomona» zur Uraufführung. Man feierte den 31....
