Flüchtige Reize

Wagner: Götterdämmerung
Düsseldorf | Deutsche Oper am Rhein

Opernwelt - Logo

Mit Wagner könne man ihn jagen, verkündete noch vor Jahren der Regisseur Dietrich W. Hilsdorf. Als ihm aber, etliche Verdi- und Operetten-Inszenierungen später, vom Rheinoper-Intendanten Christoph Meyer der «Ring»  angeboten wurde, hatte die Jagd ein Ende. Hilsdorf grub sich tief in die Wagner-Materie ein. Nach der Premiere der «Götterdämmerung» am Düsseldorfer Opernhaus kann man sich jetzt die Frage stellen, wie zeitgemäß der neue «Ring am Rhein» ist, gut drei Jahrzehnte nach der letzten Inszenierung von Kurt Horres.

Die Bilanz fällt gemischt aus – vor allem, weil Hilsdorf sich zu sehr auf die Ästhetik und Anekdotik der Settings des Bühnenbildners Dieter Richter verlässt und sich zu wenig Freiräume für das Spiel der Personen erkämpft. Da gibt es ein Varieté-Portal mit blinkenden Lämpchen im «Rheingold», einen Bunker à la «Wolfsschanze» samt abgestürztem US-Helikopter in der «Walküre», eine Fafner-Riesendampfmaschine im «Siegfried» – detailverliebt gebastelte Hingucker, die so manche Durststrecke im Spiel der Personen vergessen machen.

Der szenische Schlüsselreiz der «Götterdämmerung» ist ein kantiges Schubschiff, das freilich nichts mehr anschiebt, sondern rostig und (fast) ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Dezember 2018
Rubrik: Panorama, Seite 33
von Michael Struck-Schloen

Weitere Beiträge
Hosen runter

Die Rasur des Hauptmanns fällt aus. Er kauert auf einem ausgestopften Pferd, das gerade zum Sprung ansetzt. Von Wozzeck rasiert werden hier ein paar in Reih und Glied aufgestellte Gardisten, und zwar unterhalb der Gürtellinie: Einem nach dem anderen stutzt er das Haar am Gemächt. Hinten zieht ausgelassenes Volk vorbei, Fähnchen schwenkend, zum Frohsinn...

Idolatrie und Verblendung

Richard Wagners Wirkung muss magisch-magnetisch gewesen sein, anders lässt sich nicht erklären, dass so viele Menschen sich für seine Interessen einspannen ließen. Die Geldgeber waren die einen, beinahe wichtiger waren für Wagner die Propagandisten seines Werks in Wort und Tat. Ein enormer Kreis, dessen Persönlichkeiten mal mehr, mal weniger bekannt sind. Über die...

Zu viel Distanz

Die Welt ist eine Scheibe. Die Scheibe eine Arena. Sandfarben, backofenwarm ausgeleuchtet von Alex Brok. Dennoch will irisierende Stimmung nicht aufkommen. Es fehlen die Zuschauer, ihr Gejohle und Geraune, es fehlt das Flair des Stierkampfs. Es fehlt das Klischee. Lotte de Beer deutet Mérimées sevillanische Atmosphäre am Essener Aalto-Theater nur in den Kostümen...