Postmoderner Histoschinken

Verdi: Giovanna d’Arco Bonn / Opernhaus

Opernwelt - Logo

Der Wunsch, von den Visionen wie Zumutungen des Regietheaters endlich verschont zu werden, scheint groß zu sein. Anders lässt sich der rauschende Publikumserfolg der einfallslos-sterilen Inszenierung von Verdis früher Oper «Giovanna d’Arco» durch das Videoduo fettFilm in Bonn nicht erklären.

Momme Hinrichs und Torge Møller verorten die Geschichte der Jeanne d’Arc, wie Verdis Librettist Temistocle Solera sie sich aus Schillers romantischer Tragödie zusammengestoppelt hat, auf einer steil ansteigenden, von zwei monumentalen Portalen gerahmten Freitreppe und bespielen diese wuchtige Einheitsszenerie mit surrealen Videoanimationen – Bildern, die gefällig anzusehen sind, aber nirgendwo übers kitschig Dekorative (wie die für Giovanna aufblühenden Rosen) hinauszielen, gar Tiefenschichten der Handlung erschließen.

Aufs Regieführen haben die beiden bei ihrer ersten eigenen Operninszenierung gleich ganz verzichtet. Die Chormassen sind meist zu statischen Tableaus auf den Treppenstufen eingefroren, die Hauptfiguren mit Händeringen, Arme ausbreiten, Gestikulieren und Schulterklopfen aus dem abgestandensten Opernfundus unbeholfen sich selbst überlassen. Gewiss macht Verdis reichlich ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Dezember 2014
Rubrik: Panorama, Seite 38
von Uwe Schweikert

Weitere Beiträge
Die Donna und ihre Machos

«Birds do it, bees do it.» Und bei all dem, was Ella Fitzgerald von Bienen und Vögeln behauptete, kommt Don Giovanni im Grunde zu kurz. Ständig wird er gestört, alles geht irgendwie schief, angefangen bei Donna Anna. In diesem Zusammenhang scheint pikant, dass Anna Netrebko und Erwin Schrott sich im Mai 2013 auf der Bühne in Baden-Baden noch als das große...

Die Stimme aus Wagners Grab

Wie sind Sie Souffleuse geworden? Eine Ausbildung gibt es ja nicht.
Ich habe Theaterwissenschaft studiert und anschließend als Dramaturgin am Musiktheater gearbeitet. Doch dann kamen meine Töchter zur Welt – vor 31 und 27 Jahren –, und als ich wieder einsteigen wollte, gab es keine freie Stelle. Aber in Wuppertal wurde eine Souffleuse gesucht. Hauptsache wieder...

Nicht bloß auf einen Kaffee

Es ist Oktober. Festivalzeit im irischen Küstenörtchen Wexford. In den Pubs plaudern Herren in black tie und Damen in Abendrobe mit Locals in Jogginghosen. Der Wind saugt die letzten Blätter aus dem kleinen Hain, den Opernenthusiasten auf der Ferrybank gepflanzt haben – ein Bäumchen für jedes neue Stück – und weht waagerechte Regenfäden über den River Slaney....