Theatermusik für alle
Es waren starke Worte, die die Hamburger anno 1728 von der Bühne ihres Opernhauses zu hören bekamen: «Adel ohne Tugend Zier / kommt mir wie ein Storchnest für. / Denn auf hoher Bäume Wipfeln / und der höchsten Häuser Gipffeln / hat der Storch zwar sein Quartier / Übrigens hingegen tauget / gar zu nichts das ganze Tier.
» Deutlicher als in dieser Arie des Rates Steffen, der in Telemanns neuer Oper die rührende Geschichte der Kaisertochter Emma und des bürgerlichen Emporkömmlings Eginhard kommentierend begleitete, ließen sich die Ressentiments der hansestädtischen Kaufleute gegen die Herren von Stand kaum in Worte fassen. Wie schon sein Vorgänger Reinhard Keiser, der sogar den neapolitanischen Fischeraufstand des «Masaniello» auf die Opernbühne gebracht hatte, scheute sich auch Hamburgs Generalmusikdirektor nicht, heiße Eisen anzupacken – und das, obwohl die Hamburger Gänsemarkt-Oper auf die Zuwendungen der umliegenden Höfe ebenso angewiesen war wie auf die Eintrittsgelder des bürgerlichen Publikums. Umso erstaunlicher, dass die sieben erhaltenen großen Opern Georg Philipp Telemanns bislang kaum vom Barockopern-Fieber an den Opernhäusern profitiert haben – nach der ersten ...
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Die Bewunderung seiner komponierenden Zeitgenossen war ihm sicher. Wer während der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts das Rad der Musikgeschichte weiterdrehte, lobte die Bühnenwerke des aus Florenz stammenden Wahl-Franzosen Luigi Cherubini über den grünen Klee. Brahms etwa erblickte in der 1797 uraufgeführten «Medée» gar «das Höchste in dramatischer Kunst». Weber...
Normalerweise ist es umgekehrt. Sobald Komponisten sich ein Stück Literatur vornehmen, wird es durch die Musik verallgemeinert, im Tonfall gemildert, oft humanisiert. Was vom Schriftsteller als kühle Diagnose notiert ist, erscheint auf der Musikbühne als Anliegen von primär emotionaler Sprengkraft. So geschehen bei Bergs «Wozzeck», Strauss’ «Salome», Janáceks «Die...
Zu den stärksten Operneindrücken meiner Schulzeit gehört die legendäre Münchner «Traviata» von 1965, in der an der Seite von Fritz Wunderlich und Hermann Prey eine junge Kanadierin griechischer Herkunft ihren Einstand gab, die in Deutschland bis dahin noch niemand kannte: Teresa Stratas. Sie war das Traumbild einer Kameliendame, ganz femme fragile, tief...
