Angeschliffen

Washington, Donizetti: Lucrezia Borgia

Opernwelt - Logo

Eine Neuproduktion von «Lucrezia Borgia» gibt es nicht alle Tage. Auch an der National Opera in
Washington wäre das Stück wohl kaum in Erwägung gezogen worden, wenn Renée Fleming nicht zugesagt hätte, die Titelpartie zu übernehmen. Vor zehn Jahren hat die Sopranistin diese Lucrezia schon einmal gesungen, an der Scala – und wurde dort von den be­rüchtigten loggionisti ausgebuht.

In einem Interview bekannte sie kürzlich, dass sie die ungehobelte Ablehnung inzwischen als «Ehrenzeichen» betrachte und sich nun «wieder aufs Pferd schwingen» wolle, um ihr Recht auf Lucrezia zu bekräftigen.
Nun zeigte sich Renée Fleming entschlossen, einige ihrer Manierismen unter Kontrolle zu halten, zumal in der Arie «Com’ è bello» im ersten Akt, der sie eine ruhige, schlichte Aura gab – ein Stück echter Belcanto-Kunst. Trotzdem waren angeschliffene Töne und Intonationsprobleme, auch manche Probleme mit dem tiefen Register, im Laufe des Abends nicht zu überhören, besonders wenn Fleming die Zügel etwas schießen zu lassen und instinktiv zu agieren schien.
Wie die meisten Häuser, die «Lucrezia Borgia» herausbringen, präsentierte die National Opera in Washington eine Mischung jener beiden Fassungen, die der ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Dezember 2008
Rubrik: Panorama, Seite 48
von Charles T. Downey

Vergriffen
Weitere Beiträge
Hirnkammerflimmern

Mit ihrer Ansicht über die wahren Antriebsgründe menschlicher Entscheidungen hält Maria de Alvear nicht hinterm Berg: Ist schon der Titel ihrer neuen Kammeroper «Colourful Penis» einigermaßen explizit, wird die Spanierin im Beiheft der Uraufführung bei den Dresdner Tagen für zeitgenössische Musik noch deutlicher: Die Sexualität, schreibt sie, sei der mehr oder...

Hintergründiges Vergnügen

Der Jubel kannte keine Grenzen. Als im April 1972 an der Bayerischen Staatsoper ein neuer «Rosenkavalier» in der Regie von Otto Schenk herauskam, schrieb Imre Fabian in dieser Zeitschrift: «Die Sensation dieser Premiere hieß Carlos Kleiber» (siehe OW 6/1972). Die Produktion war opulent besetzt: Gwyneth Jones sang die Marschallin, Karl Ridderbusch den Ochs, Lucia...

«Ich möchte die Elsa singen»

Frau Netrebko, Sie sind inzwischen Mutter und leben in Wien. Könnten wir uns auch auf Deutsch unterhalten?
Vielleicht besser nicht (lacht). Sprachen sind meine schwache Seite. Ich versuche ja, was ich kann. Und auf dem neuen Album habe ich es vielleicht beinahe übertrieben. Es sind zehn Sprachen, die ich dort singe. In Wirklichkeit sind Sprachen das Schwierigste,...