Herbstzeitlose

Tschaikowsky: Charodeyka Wien / Theater an der Wien

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Ein kühler Herbstbeginn in Österreichs Metropole. Passend dazu Tschaikowskys «Charodeyka» («Die Zauberin») im Theater an der Wien. Schon das Vorspiel dieses Werks tauscht die scharfkantige Helle des Sommers ein gegen ein trüberes Licht, das bereits die Kürze der Wintertage in sich trägt. Und deren Schwermut. Der Lebensfreude, die der Chor zu Beginn des ersten Akts verbreitet, mag man zu Recht nicht trauen.

Tschaikowsky fand sich im Herbst seines Lebens, als er an dieser Oper arbeitete. 1887, sechs Jahre vor seinem Tod, kam sie in Sankt Petersburg heraus.

Zwar lagen mit «Pique Dame» und «Iolanta» noch zwei gewichtige Bühnenwerke vor ihm, und auch seine fünfte und sechste Sinfonie, doch brütet die «Zauberin» bereits Abschiedsschmerz. Wenn die Titelheldin im Schluss der Wiener Inszenierung das ihr gereichte vergiftete Wasser ganz bewusst zu trinken scheint, provoziert Regisseur Christof Loy zweifellos Gedanken an den Komponisten selbst, der – so heißt es – absichtlich verseuchtes Wasser trank und sich dabei mit Cholera infizierte.

Dabei hatte Tschaikowsky mit «Charodeyka» einen Neuanfang versucht. Er hielt das Werk für seine beste Oper, erkannte freilich hellsichtig, dass sie vermutlich ...

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Opernwelt November 2014
Rubrik: Panorama, Seite 58
von Gerhard Persché

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