Angestellte im Cyberspace
Der flämische Schauspielregisseur Ivo van Hove und sein Bühnenbildner Jan Versweyveld entwarfen ein spannendes, sehr interessantes Konzept für den «Ring». Sie zeigen nicht den Rhein, sondern ein hypermodernes Rechenzentrum. Monitore, Laptops, Büros und jede Menge edel gekleidete Menschen. Überzeugendes Abbild unserer coolen Informations- und Spekulationsgesellschaft. Alberich – phänomenal von Werner van Mechelen gesungen – steht mitten in dieser Hightech-Angestelltenwelt, er scheint sich wegen einer verpassten Beförderung zu grämen.
Nicht drei, sondern acht seiner Kolleginnen machen ihn an, nur um ihn wieder abblitzen lassen zu können. Das Rheingold ist hier der alles entscheidende Chip, der das gesamte Computernetzwerk steuert. Als Alberich diesen Chip raubt, gerät alles ins Stocken, die Szene verdüstert sich, auf den Bildschirmen flimmert nur noch Schnee.
Radikale Aktualisierung alter Stoffe hat oft einen hohen Preis: Leicht produziert sie, ungewollt, manch lächerlichen Anachronismus und peinlichen Widerspruch; die Mischung der Zeitebenen und Handlungsmotive wirkt dann nicht selten unfreiwillig komisch. Das gilt zumal für die mythologische Welt Wagners. Van Hove und Versweyveld ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Schon während der Ouvertüre läuft das Verbeugungsritual ab. Figaro und Susanna, Graf und Gräfin, Marcellina und Basilio nehmen ihre Solovorhänge entgegen, zeigen große Freude über die offenbar gelungene Aufführung. Doch schnell bröckelt die Fassade, Eitelkeiten und Intrigen brechen durch, schließlich prügeln sie sich wie die Kesselflicker. In dieser Truppe stimmt...
Schon etliche Jahre vor der vom Stalin-Regime verfemten «Katarina Ismailowa» tobte sich Schostakowitsch in «Die Nase» kompositorisch heftig aus. Die absurde, lange vor Kafka von Nikolaj Gogol erdachte Situation eines Nasen(=Identitäts)verlustes kam dem vibrierenden Naturell des Komponisten entgegen, die hysterisch hochschäumenden Vorgänge der Novelle entfesselten...
Beschreibung:
Als Komponistenpersönlichkeit lässt sich Franz Schubert (1797-1828) nicht auf eine einfache Formel reduzieren, auch wenn es schon hunderte Male versucht worden ist. Weder war er ein «Liederfürst» (außerhalb seiner Heimatstadt Wien, die er fast nie verließ, blieb er zeitlebens so gut wie unbekannt), noch ein abgründiges Genie, ein «Todesmusiker», und...
