Vorbei, nicht vergessen
Regisseur Florian Lutz hat’s gern drastisch. Er hat’s auch gern eindeutig. In seiner Lübecker «Tannhäuser»-Inszenierung versammelte er die gesamte deutsche Politprominenz auf der Bühne, angefangen von Joachim Gauck als Landgraf Hermann und Angela Merkel als Elisabeth.
Jetzt, in Manfred Gurlitts arg bemüht aktualisierten «Soldaten», zieht Deutschlands Oberste Befehlshaberin Ursula von der Leyen alias Gräfin de la Roche, flankiert von einer Kinderschar, ihre PR-Show im Bundeswehrcamp Masar-i-Scharif vorm geschmückten Weihnachtsbaum ab, begrüßt Flüchtlinge, dekoriert Soldaten, und wir sind, dank Live-Cam, gleich doppelt dabei. Das ist theatralisch brillant durchexerziert wie fast alles in dieser Aufführung, in der per Video unentwegt Kriegsszenen über die hohen Wände von Sebastian Hannaks Drehbühne flimmern. Es stellt den engagiert agierenden Solisten und Statisten ein blendendes Zeugnis aus. Aber es hat mit der hier verhandelten Sache, der huldvoll herablassenden Zurechtweisung der ihren Stand vergessenden Bürgerstochter Marie durch die adelsstolze Gräfin, kaum etwas zu tun.
Diese Überpointierung ist bezeichnend für die Detailversessenheit einer Regie, die sich mehr mit dem ...
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Opernwelt März 2015
Rubrik: Im Focus, Seite 20
von Uwe Schweikert
Liegt es am Rummel um Raubkunst, Fälschungen und andere Skandale, dass vertrackte Opernhandlungen derzeit gern ins Kunstmilieu oder gleich ins Museum verlegt werden? Der Trick bietet sich ja an: Glamour, Verbrechen und Mordspreise liegen hier nahe beieinander. Dass die Metapher trotzdem langweilen kann, bewies kürzlich Alvis Hermanis in Salzburg mit seinem...
Gute Mädchen kommen in den Himmel, böse Mädchen überall hin. In der Lübecker Aufführung von Hector Berlioz’ «La Damnation de Faust» darf Marguerite nicht als unschuldige Seele dem Ruf der himmlischen Geister folgen. Sie ist vielmehr ein gefallener Engel, der sich in einen Vamp verwandelt und den Verderber umarmt, lasziv küsst: Méphistophélès. Marguerite hat viel...
Die Liebe? Sie steckt in einem Blick. Orpheus und Eurydike halten einander mit den Augen fest, während andere Wesen sie umkreisen, umtanzen. Schauen einander an, während sie immer näher zusammenrücken.
Verlust? Da ist das unsichtbare Band aus Schmerz, das gespannt wird, wenn sie am Boden verharren muss und er nach oben entschwindet. In einem Akrobatengeschirr hoch...
