Masse und Wahn
Es muss ein beschauliches Städtchen sein: Loudun, 7000 Einwohner, im Département Vienne südwestlich von Paris. Doch 1634 ereignete sich hier Grauenhaftes: Der charismatische Pfarrer des Ortes, Pater Grandier, wird der Hexerei für schuldig befunden, entsetzlich verstümmelt und bei lebendigem Leibe verbrannt. Auslöser der Ereignisse, die Historiker heute als Massenhysterie klassifizieren, war die Nonne Jeanne, Oberin des Ursulinenklosters. Sie behauptete, Grandier habe ihre Seele nachts in Gestalt des Teufels heimgesucht.
1969 schrieb Krzysztof Penderecki auf diesen Stoff – Grundlage war ein Roman von Aldous Huxley – seine erste Oper. Die titelgebenden «Teufel von Loudun» treiben dabei nur scheinbar im Kopf der Oberin ihr Unwesen. Tatsächlich sind es die Bürger, die Machthaber, Exorzisten und Gegner von Grandier, Menschen aus Fleisch und Blut, die nicht merken, dass sie selbst bereits zu dem geworden sind, was sie buchstäblich «auf Teufel komm raus» finden wollen. Penderecki hütete sich vor allzu genauen Festlegungen, seine Kritik am Fanatismus und an ideologischer Verblendung kann sowohl auf die Naziverbrechen während seiner Jugendzeit in Polen, auf den Stalinismus oder die ...
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Opernwelt Mai 2012
Rubrik: Panorama, Seite 37
von Udo Badelt
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