Geschlechterkampf im Stiegenhaus
Wenn der ewig neugierige Nikolaus Harnoncourt und der ungewöhnlich rasch in die Spitze aufgestiegene Regisseur Claus Guth sich eines Werkes annehmen, darf man alles erwarten, nur keine Routineaufführung. Die Herausforderung wächst umso mehr, je repräsentativer der Ort der Präsentation ist, und welcher Ort wäre für Mozart angemessener als Salzburg mit seinen Festspielen? Das Mozart-Jubiläumsjahr verstärkte den Erwartungsdruck, außerdem galt es, das neue kleine Festspielhaus, das jetzt «Haus für Mozart» heißt und gar nicht mehr so klein ist, angemessen gewichtig einzuweihen.
Die Spannung wuchs fast ins Unermessliche und der Medienrummel auch, denn es galt nicht nur Mozart zu huldigen, sondern mehr noch einem richtigen Opernstar: Anna Netrebko sang die Kammerzofe Susanna, was sie ehrte. Denn ihre Verehrer, die das Stück nicht kannten, erwarteten wohl eine Wiederholung ihres furiosen Violetta-Auftritts vom letzten Sommer. Daraus wurde nichts.
Anna Netrebko ordnete sich artig, gleichwohl spielfreudig und kultiviert singend in das «Le nozze di Figaro»-Ensemble ein. Sie sah in ihrem schwarzen Kleid mit vorgebundener weißer Schürze so aus, als diente sie in einem vornehmen Wiener ...
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