Gebrochene Herzen, doppelte Perspektiven
Er ist und bleibt ein Spieler. Ein homo ludens, der mit kindlicher Freude Figuren in prachtvollen Kulissen bewegt. Und dabei, egal was er anpackt, immer zu gewinnen scheint. Niemand schlägt auf der Opernbühne aus dem eigenen Spieltrieb buntere Funken. Keiner treibt auf der Suche nach dem ultimativen spectaculum den Apparat so virtuos zum Wahnsinn. Wenn Stefan Herheim Regie führt, geht es in die Vollen, entsteht opulentes Assoziationstheater, das auf Verführung, Überrumpelung, Überwältigung aus ist. Mit Scherz, Satire und geliehener Bedeutung.
Ohne die hermeneutische Gedankenakrobatik seines Dramaturgen Alexander Meier-Dörzenbach, ohne die barocke Schaustellerlust seiner Bühnenbildnerin Heike Scheele und der Kostümbildnerin Gesine Völlm wäre Herheim freilich kaum jener Zauberer, der mit jeder neuen Arbeit das Publikum um den Finger wickelt. Sie liefern die Stichworte, Raumbilder, Verkleidungen, aus denen er seine überbordenden Opernrevuen montiert. Händels «Xerxes» inszeniert er – in einer deutschen Fassung von Eberhard Schmidt – als wunderkerzensprühende «Muppet-Show», die sich über das ewige Quiproquo in der Barockoper ebenso amüsiert wie über die sogenannte «historisch ...
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Opernwelt Juli 2012
Rubrik: Im Focus, Seite 8
von Albrecht Thiemann
Man kann’s als eine dramaturgische Chance verstehen, dass Alban Berg seine «Lulu» nicht in abgeschlossener Form der Nachwelt hinterließ. Diesem Gedanken ist seit Friedrich Cerhas ingeniöser Rekonstruktion des dritten Akts nur noch selten nachgegangen worden; in Cerhas Version wurde das Werk wohl allzu selbstverständlich während der letzten dreißig Jahre von den...
Quel nez, was für eine Nase», schwärmt Miraculix, der Druide. Und in der Tat: So, wie Albert Uderzo die Kleopatra zeichnete, mit ihrem kecken Näschen, haben wir sie noch in bester Erinnerung. Obwohl der diesbezügliche Astérix-Cartoon nun auch schon fast ein halbes Jahrhundert alt ist. Wer aber war diese vermeintliche Femme fatale, die durch die Jahrtausende ein...
Streng geht es in Olga Neuwirths neuer Oper «The Outcast» zu, einem Auftragswerk des Nationaltheaters Mannheim. Ironische Postmoderne wie in Enno Poppes vier Wochen zuvor im nahe gelegenen Schwetzingen uraufgeführtem Intelligenzquotenspiel «IQ» ist ebenso wenig beabsichtigt wie geschmäcklerische Neoromantik à la Thomas Adès. Neuwirth geht aufs Ganze – übrigens auch...
