Donizettis Pariser Entrée
Die Geschichte Marin Falieros, der im Alter von siebzig Jahren zur Dogenwürde gelangte und 1355 wegen eines versuchten Staatsstreichs hingerichtet wurde, hat im 19. Jahrhundert viele Autoren inspiriert. Am bekanntesten wurde die Adaption Lord Byrons von 1821. Doch nicht das Versdrama des Engländers, sondern ein vergleichsweise unbedeutendes Stück von Casimir Delavigne diente als Vorlage für Donizettis Oper, die den politischen Konflikt zwischen dem Dogen und den Patriziern mit einer obligatorischen Liebes- und Dreiecksgeschichte verknüpft.
Es handelt sich um ein Auftragswerk des Pariser Théâtre-Italien, wo der Meister aus Bergamo gleich nach seiner Ankunft im Januar 1835 die triumphale Uraufführung der «Puritani» seines Kollegen Bellini miterlebte, die ihn zu der kleinlauten Bemerkung veranlasste: «Ich verdiene auf keinen Fall einen Erfolg wie den der ‹Puritaner›, aber ich möchte auch keineswegs missfallen». Solche kollegiale Gesinnung war seinem Antipoden fremd. «Als ich von Donizettis Engagement erfuhr, lag ich drei Tag lang mit Fieber im Bett», schrieb er an seinen Onkel, «mir wurde klar, dass eine wahre Verschwörung gegen mich im Gange war.»
Die Konkurrenzangst war unbegründet, ...
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