Im Sturm
Die zweite Oper des amerikanischen Komponisten Carlisle Floyd verdankt ihr Dasein einem Zufall. Nachdem sein Erstling «Susannah» in New York freundlich angenommen worden war, hatte die Sängerin der Titelrolle um eine wirkungsvolle Konzertarie gebeten. Floyd griff kurzerhand auf einen Text zurück, den Schauspielerinnen damals gern zum Vorsprechen benutzten: eine hochdramatische Passage aus Emily Brontës Roman «Wuthering Heights».
Nach dem Konzert stürzten, so erinnert sich der Komponist, mehrere Operndirektoren hinter die Bühne und suchten zu erfahren, wie denn «der Rest der Oper» sei. Unter größtem Zeitdruck dampfte Floyd den Roman auf ein bühnenpraktikables Maß ein und orientierte sich dabei weitgehend am Handlungsfaden eines 1939 gedrehten Spielfilms.
Dieser Film (mit Laurence Olivier und Merle Oberon in den Hauptrollen) erzählt die Liebe des jungen Waisen Heathcliff zu seiner Stiefschwester Catherine als epische Rückblende der Haushälterin von «Wuthering Heights». Sechzehn der vierunddreißig Romankapitel sind hier auf einhundert Filmminuten gebracht. Floyd übernahm diesen Romanausschnitt auch für sein Libretto, würzte die Handlung etwas schärfer und verzichtete nach mehreren ...
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Opernwelt April 2012
Rubrik: Panorama, Seite 38
von Martin Morgenstern
Es war eine Zufallsbegegnung, die Henri Dutilleux und Renée Fleming in einem Studio von Radio France zusammenführte und die Idee einer Auftragsarbeit zeitigte. Geraume Zeit später wurde die Sängerin für die Uraufführung von «Le Temps l’horloge» eingeladen, in der ersten Version drei Lieder, die im Dezember 2006 unter James Levine uraufgeführt wurden. Die Endfassung...
Eine junge Frau tappt durchs Dunkel. Kurz sehen wir ihr Gesicht, ihre nackten Füße, im Staccato einer flackernden Taschenlampe. Dann verschwindet sie. Leuchtet wieder auf, wie eine Ikone. Verschwindet wieder. Nur wenn die Frau den handbetriebenen Dynamo in Gang setzt, wird es Licht. Ratsch macht es dann und ratsch und ratsch, immer schneller. Darüber schwebt ihre...
Das Bühnenbild im Kölner Palladium ist denkbar einfach: die Fassade und die bescheidenen Interieurs eines kleinen Fünfziger-Jahre-Hauses auf runder Drehscheibe. Es ist Nachkriegszeit, die «dunklen Jahre» werden verdrängt, knallbunte Kostüme signalisieren neue Lebenslust. Man hat sich eingerichtet: Freunde, Bekannte und jene drei «Freier», die um Frau Penelope...
