Verlorenes Glück
«Modern people» – in mehreren Sprachen und teilweise spiegelverkehrt ist dieses
Motto an der hinteren Bühnenwand zu lesen. Die Frage nach dem, was ein moderner Mensch überhaupt sei, stellt in Arnold Schönbergs Einakter «Von Heute auf
Morgen» ausgerechnet ein Kind. Die Eltern fühlen sich verpflichtet, eine zumindest
moralische Antwort zu geben. Sie streiten über ihr Leben, als die Frau vorgibt, sich dem Genuss verschrieben, mehrere Geliebte an Land gezogen zu haben.
Am Ende finden sie wieder zu den vertrauten Lebensmustern und den ihnen am ehrlichsten erscheinenden Formen des Glücks zurück.
Max Blonda alias Gertrud Schönberg schrieb das Libretto zu Schönbergs tendenziell antibürgerlicher Oper – ein Werk, das in Thema, Form und Gestalt so recht in die Zeit der späten 1920er- und frühen 1930er-Jahre passt. Nun liegt «Von Heute auf Morgen» auf DVD vor, als Mitschnitt aus dem Teatro La Fenice vom Dezember 2008. Regisseur Andreas Homoki setzt auf ein Bühnenbild in nüchternem Schwarz-Weiß, ein mittig platziertes weißes Ledersofa ist die wichtigste Requisite. Da hängt alles von genauer Personenführung ab. Doch die gelingt Homoki nur phasenweise. Er erzählt die Geschichte des sich selbst ...
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Opernwelt Dezember 2011
Rubrik: Medien/CDs, DVDs, Seite 31
von Christoph Vratz
Um Carl Orff ist es still geworden – mit Ausnahme des Welterfolgs der «Carmina Burana», und der findet nicht auf dem Theater statt. Blättert man die aktuellen Spielpläne der deutschsprachigen Opernhäuser im Jahrbuch «Oper 2011» dieser Zeitschrift durch, so ist das Ergebnis weitgehend Fehlanzeige. Mit Ausnahme Darmstadts, wo John Dew seit Jahren Orff spielt und...
Die Zeitgenossen waren sich einig, dass ein Fluch über dieser Oper schwebt. Erst hinderte der Tod den Komponisten Jacques Offenbach 1880 an der Vollendung seiner «Contes d’Hoffmann», dann brannte bei der Wiener Erstaufführung die Hofoper nieder, einige Jahre später auch der Ort der Uraufführung, die Pariser Opéra-Comique. Immer ging wertvolles Aufführungsmaterial...
In gefühlten Es-Dur-Brechungen wallt es «Rheingold»-artig aus dem Orchestergraben herauf. Ein nächtlicher Highway schlängelt sich einer fernen Gebirgssilhouette entgegen. Vorn bricht ein Schwert durch den Asphalt: Excalibur. Ein Cadillac aus den Seventies parkt am Straßenrand. Das Warnlicht blinkt. Ein mittelalter, gedrungener Mann hat den Kopf auf das Lenkrad...
