Der alte Mann und das Meer
Streng geht es in Olga Neuwirths neuer Oper «The Outcast» zu, einem Auftragswerk des Nationaltheaters Mannheim. Ironische Postmoderne wie in Enno Poppes vier Wochen zuvor im nahe gelegenen Schwetzingen uraufgeführtem Intelligenzquotenspiel «IQ» ist ebenso wenig beabsichtigt wie geschmäcklerische Neoromantik à la Thomas Adès. Neuwirth geht aufs Ganze – übrigens auch im Umgang mit den Verantwortlichen der Mannheimer Uraufführung, von denen sie sich missachtet und enteignet sieht, so dass sie nach der Generalprobe empört abreiste und am Premierenabend durch Abwesenheit glänzte.
Eigenwillig ist schon die uneinheitliche Erzählperspektive, die zwei Ebenen verschränkt: die Person des desillusionierten, gealterten Schriftstellers Herman Melville und die Handlung seines Romans «Moby Dick». In Mannheim sehen wir Melville zunächst vorne am Bühnenrand an einem kleinen Tisch sitzen, hinter ihm auf dem Zwischenvorhang eine Videosequenz des Meeres, aus dem sich groß der weiße Wal abhebt. Wie aus der Erinnerung des alten Mannes tauchen nach und nach die Figuren des Romans auf. Erst der Matrose Ishmael – bei Neuwirth eine Frau (Trine Wilsberg Lund) –, der als Einziger den Untergang des Walfängers ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Juli 2012
Rubrik: Im Focus, Seite 20
von Uwe Schweikert
In der Kassenhalle des Kroatischen Nationaltheaters stehen Monitore, auf denen unentwegt tonlose Clips von Inszenierungen des Hauses laufen. Sie geben eine erste Vorstellung davon, wie sich das Dreispartenhaus ästhetisch positioniert. Auf dem Gebiet der Oper scheint die Devise zu lauten: Weg vom Museum, Anschluss ans zeitgenössische Musiktheater, aber keine...
Eine ordentliche Landschaft aus Holzplanken, zeitlich im Großraum «historisch» situiert. Links steht eine Hütte, rechts deutet ein Boot ein Gewässer an. Eine Rampe zieht sich quer durch den Bühnenhintergrund, den Hang hinab fällt ein messianisches Licht – von hier muss Onegin kommen. Der erweist sich freilich nicht als Messias, nicht einmal als strahlender Galan,...
Mit sechzig kommen die 1952 gegründeten Schwetzinger Festspiele langsam in die Jahre. Unter der Leitung des SWR-Redakteurs Peter Stieber haben sie sich im vergangenen Jahrzehnt zu einem Kammermusikfestival vom Feinsten gemausert, das auch aktuelle Musik einbezieht. Letztes Jahr galt die Reverenz György Kurtág. Diesmal stand Aribert Reimann im Zentrum dreier...
