Von der Braut zur Königin

Passau/Landshut, Zechlin: Elissa, Purcell: Dido und Aeneas

Opernwelt - Logo

Die mittlerweile 79-jährige, in Passau lebende Ruth Zechlin hat Henry Purcells nicht vollständig überlieferte und daher auch nicht abendfüllende Oper «Dido and Aeneas» um die bei Vergil überlieferte Vorgeschichte erweitert. Ihre ebenfalls knapp einstündige Kammer­oper nach einem Libretto von Hellmuth Matiasek rollt das Geschehen als Rückblende auf: Elissa verliert den Bräutigam in der Hochzeitsnacht. Ihr Bruder Pygmalion hat Acerbas – wie auch schon den Vater – ermordet, um die Schwester zu verführen und an die Macht zu gelangen.

Elissa, die sich jetzt Dido nennt, flieht nach Nordafrika und gründet Karthago. Hier – bei Purcell – verliebt sie sich in Aeneas, kann aber die Gewalt, die ihr in der Jugend widerfahren ist, nicht vergessen. Konsequenterweise sind in der Inszenierung Stefan Tilchs die Zauberin und eine Geistererscheinung Teil der gespaltenen Persönlichkeit Didos. Der Regisseur und seine Ausstatterin Ursula Beutler finden für diesen inneren Vorgang schlichte, aber starke Bilder. In Sekundenschnelle wechseln – begleitet von plötzlichem Donner – Licht und Bühne, wird aus der höfischen Partygesellschaft ein fluoreszierendes Ballett von Skeletten, geführt von Dido als ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Juni 2005
Rubrik: panorama, Seite 44
von Klaus Kalchschmid

Vergriffen
Weitere Beiträge
Nackter Beton

«Elektra» unter äußerlich schwierigen Vorzeichen im «Kuppeltheater», der bühnentechnisch beschränkten Ersatzspielstätte in Kassel. Dominik Neuner hat dem reißenden Strom der Töne eine saubere, karge Inszenierung zur Seite gestellt. Die Bühne wird von großen Betonfragmenten einer zerbrochenen Welt beherrscht. Der Raum für die Personen ist stark eingeengt. Elektra...

Miss Marple trifft Dickwanst

Es ist alles Floskel auf Erden! «Falstaff» als Spiegel des frühen 21. Jahrhunderts? Wenn der Dickwanst die «Ehre» besingt, entlarvt das Orchester sein Gerede als Geschwätz. Der hehre Begriff wird durch banales Bläsergefasel und harmonisch zweifelhafte Flötenfigurationen verflüchtigt, die Violinen laufen ins Leere. Nichts ist es mit der Ehre. Alles ist Schein auf...

Lockruf aus Las Vegas

Was deutsch und echt, scheint manchem Engländer noch immer verdächtig. Vor allem die «Tabloids», die Boulevardzeitungen, lassen kaum eine Gelegenheit aus, den Teutonen verbal eins aufs Haupt zu geben, sei’s beim Fußball, sei’s gar beim bayerischen Papst. Die respektlos-flapsige Headline der «Sun», «From Hitler youth to Papa Ratzi», hat in Deutschland böses Blut...