Pathos der Distanz

Anne Schwanewilms und Cornelius Meister versilbern Wagner, Bernarda Fink verschlankt Mahler

Opernwelt - Logo

Seltsam. Auf ihrer Wagner-CD ist Anne Schwanewilms solistisch siebenmal zu hören: mit der Hallen-Arie der Elisabeth, dem Schlussgesang der Isolde und den Wesendonck-Liedern; diese Tracks dauern 32 Minuten und 25 Sekunden. Das Radio-Sinfonieorchester des ORF unter Cornelius Meister «füllt» die CD auf mit 33 Minuten und sieben Sekunden orchestraler Musik: der Ouvertüre und dem Venusberg-Bacchanal aus «Tannhäuser» und dem Vorspiel zu «Tristan und Isolde (wobei die Temperatur beim Bacchanal allenfalls auf 37,5 Grad steigt und die Sehnsuchtsmusik aus «Tristan» recht unterkühlt klingt).

Seine außerordentlichen Qualitäten als Operndirigent beweist Meister als mitatmender Begleiter der Sopranistin, auch wenn er ihr in der ersten Phrase der Hallen-Arie durchgehen lässt, dass sie «grüßich» statt «grüß’ ich» singt. Der leuchten­de und klangschön-silbrige Sopran von Anne Schwanewilms eignet sich vortrefflich für die Partie der Elisabeth, der jubelnde Schluss der Arie mit dem hohen B klingt prächtig. Im ­Finalgesang der Isolde gelangt der Lyrismus allerdings an Grenzen; Grenzen der Ausdrucksintensität, die sich auch in den «Tristan»-­Studien der «Wesendonck-Lieder» («Im Treibhaus» und «Träume») ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt August 2014
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 24
von Jürgen Kesting

Weitere Beiträge
Working Girls

Von schnödem Mammon und männ­licher List verführt: Die tragische Geschichte der Manon Lescaut besitzt seit jeher eine prekäre Nähe zum B-Movie-Kitsch. In Jonathan Kents Inszenierung der gleichnamigen Puccini-Oper am Londoner Royal Opera House wird sie wie ein solcher Film erzählt. Der Niedergang der Titelheldin – Kristine Opolais gibt sie mit umwerfender Bühnen-...

Trau, hör, wem?

Die «Pantoffel-Oper» sei Verrat am Musiktheater, räsonierte ein Purist kürzlich in freundschaftlicher Runde. Aus ästhetischen Gründen. Zu wenig vertrauenswürdig die Mikrofone, zu nahe die Kamera. Und ein Feind der Fantasie, die sich beim Hören von CDs eine eigene Bühne baue. Freilich erkennt man dank Großaufnahmen manchmal auch Details, die aus der Parkett- oder...

Eine letzte Kraftprobe

Am Wuppertaler Opernhaus ist mit der letzten Premiere der Saison eine Tradition zu Grabe getragen worden. Denn die Neuinszenierung von Karol Szymanowskis «Król Roger» ist definitiv die letzte Produktion mit einem festen Ensemble. Sie unterstreicht mit Nachdruck noch einmal, was Wuppertal und die Opernlandschaft in Nordrhein-Westfalen verlieren: eine gewachsene...