Funkenflug

Marc Albrecht dirigiert in Amsterdam einen feurigen, exquisit besetzten «Rosenkavalier»

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Stille Nacht, heilige Nacht? Bacchus bewahre. Dieses Notturno kennt andere Vorlieben, und man benötigt  nicht besonders viel Fantasie, um sich vorstellen zu können, was da hinter geschlossenen Gardinen geschieht. Mit Feuer und Furor wühlen sich die Feldmarschallin Fürstin Werdenberg («Bichette») und ihr Liebhaber Octavian («Quin-Quin») durch den nächtlichen Kissenberg, einander förmlich verschlingend in lupenreiner, ungebändigter, gegenseitiger Wollust.


Richard Strauss hat den Anfang seiner «Komödie für Musik» in drei Aufzügen bekanntermaßen mit eindeutigem Kontext unterlegt. Die machtvoll aufsteigende Sext gleich zu Beginn markiert den Liebesakt in all seiner Schamlosigkeit. Nur hat man das selten so griffig und glasklar, so fulminant gehört wie in dieser Live-Aufnahme von 2015 mit Marc Albrecht und seinem Netherlands Philharmonic Orchestra, die anlässlich der Amsterdamer Neuinszenierung durch Jan-Philipp Gloger realisiert wurde (siehe OW 11/2015). Stürmisch prescht das Blech nach vorne, seufzend sinken die Streicher unter dem phallischen Ansturm in die Federn. Ausdruck höchster Leidenschaft – aber eben auch höchster Präzision.

Denn nicht um des reinen Affektes Willen wird hier ...

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Opernwelt März 2018
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 25
von Jürgen Otten

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