Revolutionen, Obsessionen
Erinnert sich noch jemand? An die Zeiten, als es im Theater um Sein oder Nichtsein der kritischen Bewusstseinsbildung ging? Um Aufklärung und Erziehung des unmündigen Menschengeschlechts? Um eine Ästhetik des Widerstands gegen Herrschaft und Macht? Es sieht so aus, als sei die Schaubühne als pädagogische Anstalt, als Labor für die spielerische Erprobung sozialer Utopien Geschichte.
Mit dem Ende der Ideologien zerstob die (in West wie Ost lange virulente) Hoffnung, dass Schauspieler, Sänger, Tänzer und Musiker ein Stück wahres Leben ins falsche zaubern könnten – und sei es «nur» in die Köpfe. Tempi passati. Heute, so scheint es, nach dem Ende aller geschichtsteleologischen Glaubensgewissheiten, geben die alten Befreiungsfantasien in Oper und Drama allenfalls Material für die postdramatische Puzzlearbeit her.
Die Sorge, dass die Sache mit der klassenlosen Gesellschaft, der Traum von einer selbstbestimmten, in solidarischer Gemeinschaft aufgehobenen Existenz des Einzelnen verspielt sein könnte, trieb viele Künstler um, die sich (zeitweilig) unter der roten Fahne sammelten. Exemplarischen Ausdruck fand dieser Zweifel nicht zuletzt im Werk Luigi Nonos. Mit der kommunistischen Partei ...
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Opernwelt April 2013
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 24
von Albrecht Thiemann
Herr Behle, machen Familienbande den Sängerberuf leichter?
Anfangs schon. Weil ich frühzeitig mit dem in Kontakt kam, was ich heute tue. Andererseits habe ich meine Probleme mit der Oper erst abgebaut, als ich Mitte 20 war. Und: Man tut als Jugendlicher nicht, was die Eltern tun. So bin ich trotzdem wie die Jungfrau zum Kinde gekommen. Ich studierte Schulmusik und...
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Mit der Darmstädter Avantgarde assoziiert man alles Mögliche, von Serialismus bis Elfenbeinturm, aber nicht unbedingt Musiktheater. Das Luzerner Theater hat jetzt etwas Archäologie der späten Moderne betrieben und dabei mit Bruno Madernas Einakter «Satyricon» eine kleine Kostbarkeit ausgegraben. Das 1971 entstandene und 1973, im Todesjahr des Komponisten,...
