Musicien complet
Bei der Suche nach einer Erklärung für Heinz Holligers unglaubliche musikalische Vitalität stößt man ziemlich schnell auf eine unhinterfragbare Größe: die menschliche Physis. Sie ist für ihn die Voraussetzung für jede Art von hörbarer menschlicher Äußerung, seien es nun Sprachlaute, Instrumentalklänge oder die Geräusche des lebenserhaltenden Atems. Darauf beruht Holligers umfassendes Musikverständnis, in dem instrumentale und vokale Dimension, Komponieren und praktisches Musizieren, letztlich auch Kunst und Leben eine Einheit bilden.
Er ist der wahre «Musicien complet», wie sein langjähriger künstlerischer Weggefährte Klaus Huber einmal bewundernd sagte, und in dieser Eigenschaft befindet er sich im heutigen Musikleben vermutlich allein auf weiter Flur.
Sinnfälligen Ausdruck hat diese körpergebundene Musikalität in Holligers phänomenalem Oboenspiel gefunden. «Ich verdiene mein Geld mit Luft», meinte er einmal mit der für ihn typischen Mischung von Understatement und Tiefsinn. Die Luft ist für ihn das Verbindende von Ich und Welt, Körper und Seele, und diesem Geheimnis spürt er nicht nur als begnadeter Solist, sondern auch als Komponist auf denkbar vielfältige Weise nach. Im ...
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Opernwelt Mai 2019
Rubrik: Magazin, Seite 78
von Max Nyffeler
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Man muss sich die Szene nicht vorstellen, um zu wissen, wie viel Pfeffer auf den Tellern lag – die Namen der Beteiligten genügen: Joachim Kaiser, Marcel Reich-Ranicki, beide Träger des Ludwig-Börne-Preises, in ihrer Mitte, moderierend, August Everding. Drei verblichene Titanen des Kulturbetriebs, versammelt auf einer Bühne im beschaulichen Garmisch-Partenkirchen....
Normalerweise siegt im Märchen das Gute über das Böse, und der Held bekommt die Prinzessin. In «Der Schatten» von Hans Christian Andersen ist es umgekehrt – und genau das hat den schwedischen Komponisten Hans Gefors zu der Kammeroper «Schattenspiele» inspiriert, die das Theater Hof sinnfällig mit dem «Leuchtturm» von Peter Maxwell Davies kombiniert. In beiden...
