Vor und zurück, immer anders
Krishna kriegt den meisten Applaus. Er singt Bass und hat als solcher nicht viel zu tun. Aber aussehen tut er fantastisch: ein schöner, goldener Gott mit vier Armen, Flöte und Fingern, die Symbole in die Luft malen. Gandhi singt Tenor, eine hohe, helle Stimme. Auch er kriegt viel Applaus. Mild und leise, wie er lächelt, kann es sich nur um einen Visionär handeln. Milchig ist die Bühne, von Gazeschleiern, sanften Lichtpunkten und Wolkenprojektionen durchzogen. Keine Oper mit Handlung und Arien. Eher eine Meditation. Ohne Anfang und Ende, aber mit viel Chor.
Um sich selbst kreisende Patterns statt hohe Cs. Keine Blechbläser, kein Schlagwerk. Esoterik statt Macht des Schicksals.
In Jekaterinburg wird «Satyagraha» gespielt. Es ist die erste Oper von Philip Glass auf einer russischen Bühne. Der junge US-Regisseur Thaddeus Strassberger hat sie mit leichter, in den Chorszenen geschickter Hand inszeniert und auch selbst ausgestattet. Die hinduistischen Rituale auf der Bühne zieht er in den Zuschauerraum, das Publikum soll Teil des Stückes werden. Gandhis gewaltlose Kämpfe in Südafrika werden in pastellner Farbigkeit nacherzählt. Tolstoi und Tagore spielen als kostümierte Ahnherrn mit, vom ...
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Opernwelt November 2014
Rubrik: Magazin, Seite 80
von Stephan Mösch
Dass die Ordnung der Dinge ins Wanken und das Leben aus den Fugen geraten kann; dass man sich manchmal neu erfinden muss, ohne einen Schimmer, was dabei herauskommt – solche Erkenntnisse gehören zwischen Dortmund und Duisburg längst zum Alltagswissen. Das ehemalige Kohle- und Stahlrevier, bis in die 1970er-Jahre smogverhangenes und lautstark hämmerndes Herz der...
«Friedenstag» ist die am wenigsten gespielte und zweifellos heikelste Oper von Richard Strauss. Uraufgeführt 1938, wurde sie sofort von der NS-Propaganda vereinnahmt, was angesichts des Sujets problemlos gelang. Der Kadavergehorsam eines Kommandanten, der seine belagerte Stadt aus Treue zum Kaiser lieber in die Luft sprengt, als sie dem Feind zu überlassen, dann...
Im November 1989 feierte Christfried Schmidt. Nein, nicht weil die Mauer fiel. Obwohl er nichts dagegen hatte; er begrüßte die sogenannte Wende durchaus. Kaum ein Komponist nämlich dürfte den schikanösen Doppelsinn des Vermerks «Wohnhaft in der DDR» schmerzhafter erfahren haben als er. Jahrelang wurde seine Musik daheim nicht gespielt; seine Aufnahme in den...
