Herrlicher Budenzauber
Diese Produktion ist ein bedeutender Beitrag zum Offenbach-Jahr. Weil sie hilft, die gedankliche Brücke zu schlagen von den grell-geistreichen Sozialsatiren zu «Hoffmanns Erzählungen». Unmittelbar vor «Fantasio» entstanden, im Sommer 1869, für ein Gastspiel der «Bouffes-Parisiens» in Baden-Baden, zeigt auch «Die Prinzessin von Trapezunt», wie sich die romantisch-melancholische Seite des Komponisten immer mehr Bahn bricht.
Die Handlung ist zwar noch als Groteske angelegt – eine Schaustellerfamilie gewinnt per Lotterie ein Schloss, langweilt sich dann aber schnell im adligen Ambiente. Doch im Kern geht es um die Sehnsucht der Protagonisten nach Liebe.
Märchenhafte Züge hat dabei vor allem Prinz Raphael, ein schwärmerischer Jüngling, der sich in eine Wachsfigur verliebt, eben die titelgebende Prinzessin, die jedoch just bei seinem Besuch im Raritätenkabinett von einer echten Frau dargestellt wird – weil die Schausteller-Tochter ihr zuvor beim Saubermachen versehentlich die Nase abgeschlagen hat. Drei Paare werden sich am Ende gefunden haben, und ihnen gehört auch die ganze Zuneigung Offenbachs: Ihre sehnsuchtsvoll-sentimentalen Musiknummern sind mit Abstand die inspiriertesten ...
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Opernwelt April 2019
Rubrik: Panorama, Seite 37
von Frederik Hanssen
Seit fünf Jahren hatte er nicht mehr vor einem Orchester gestanden, sich in sein Haus am Mondsee im Salzkammergut zurückgezogen. Als er spürte, dass Körper und Geist nicht länger den rigorosen Ansprüchen genügten, die er an sich und andere stellte, trat er aus dem Rampenlicht, das er eigentlich nie gesucht, eher als unvermeidliche Begleiterscheinung des Berufs...
Fast ist es wie bei Richard Wagner in Nibelheim: Der Big Boss der Götter hat Mühe, seinen Laden zusammenzuhalten. Zum Karneval 1675 servierte Giulio Cesare Corradi eine wilde Geschichte aus dem Olymp – am Teatro Vendramin in Venedig, in der Nähe der Rialto-Brücke. Die im Titel erwähnte Aufteilung der Welt zwischen Jupiter und den Abteilungsleitern für das flüssige...
Unweit des Theaters an der Wien, im Kunsthistorischen Museum, sitzt der Kunstkritiker und Misanthrop Reger, vornamenloser Protagonist in Thomas Bernhards «Alte Meister», und grantelt: «Immer wieder nur ein Antlitz, kein Gesicht. Immer wieder nur ein Haupt, kein Kopf.» Dabei blickt er auf Gemälde von Velázquez, Giotto, Dürer. Auch im Bereich der musikalischen...
