Apropos... Langer Marsch
Herr Trinks, bevor Sie einem größeren Publikum bekannt wurden, haben Sie den langen Marsch durch einige Kleinstädte hinter sich gebracht. Wie viele junge Dirigenten tun das heute?
Mein Weg war der des klassischen deutschen Kapellmeisters. Diesen Weg schlagen immer noch viele junge Dirigenten ein. Sie fangen als Korrepetitoren an – sofern sie Klavier spielen können.
Also kommen die meisten Dirigenten immer noch von der Oper?
Zumindest bleibt die Oper auch heute der klassische Einstieg in diesen Beruf.
Ich habe schon während des Studiums Oper dirigiert, bin damals für den erkrankten Chordirektor bei Henzes «Jungem Lord» in Karlsruhe eingesprungen. Ich wurde dem stellvertretenden Chordirektor zur Seite gestellt. Schließlich sagte man: Wir brauchen einen Gastkorrepetitor. Während der letzten drei Jahre des Studiums habe ich bereits drei bis vier Produktionen pro Spielzeit auf diese Weise betreut.
Was ist der Vorzug eines Anfangs in der Oper?
Man hat dort viel mehr Zeit zur Vorbereitung – zumindest wenn man an den szenischen Proben teilnimmt. Man lernt Flexibilität, weil ständig etwas passieren kann. Außerdem betrachten Opernorchester Konzerte als Visitenkarte, so dass einem hier größere ...
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Opernwelt November 2014
Rubrik: Magazin, Seite 87
von Kai Luehrs-Kaiser
Sir Neville, Sie waren einer der wichtigsten Dirigenten der Sechziger- bis Achtzigerjahre – bis die Spezialisten der Alten Musik kamen und Ihnen das Repertoire entrissen. Haben Sie mit denen eine Rechnung offen?
Nein, ich war eher erfreut. Der Siegeszug der historischen Aufführungspraxis hatte zur Folge, dass wir uns fortbewegen konnten und nicht immer dasselbe...
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