Schwerter und Blüten
Ist Kunst an einen Ort gebunden, oder bemisst sich ihre Qualität gerade daran, ob sie losgelöst von den Bedingungen wirkt, unter denen sie entstand? Auf Bedřich Smetanas dritte Oper «Dalibor» trifft wohl eher Ersteres zu.
Anlässlich der Grundsteinlegung des Prager Nationaltheaters 1868 komponiert und uraufgeführt (das dann 15 Jahre später mit einer weiteren Oper von Smetana, «Libuše», eingeweiht wurde), ist die Geschichte um den mittelalterlichen böhmischen Ritter Dalibor, obwohl sie auf einem aus dem Deutschen (!) übersetzen Libretto beruht, Produkt des erwachenden tschechischen Nationalbewusstseins, des Strebens nach Loslösung von den Habsburgern. Smetana kaschiert das auch gar nicht, lässt Dalibor ganz unverblümt singen: «Ich kenne keinen Tschechen, der die Musik nicht liebte.» Kann so etwas außerhalb Tschechiens funktionieren? Die Oper Frankfurt hat sich im Februar dieses Jahres an dem Stück versucht, szenisch versackte es dort in einem krampfhaft um Aktualität bemühten Einerlei (siehe OW 4/2019).
Wobei zu fragen wäre, was eigentlich der Kern der Geschichte ist. Die politischen Ereignisse – Dalibor, stolz und aufrecht, widersetzt sich einem Befehl des Königs, im Kampf gegen ...
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Opernwelt August 2019
Rubrik: Panorama, Seite 45
von Udo Badelt
Die Fürstin saß selbst am Cembalo. Sophie Charlotte hatte Giovanni Bononcinis Oper «Polifemo» nicht nur in Auftrag gegeben, sie war auch an der Uraufführung beteiligt, die 1702 im späteren Schloss Charlottenburg stattfand. «Wer sich fragt, woher Friedrich II. seine künstlerische Ader, seine Vorliebe fürs Flötenspiel hatte – hier ist die Antwort: von der...
Der Prolog fehlt. Keine Debatte darüber, wer die einflussreichste allegorische Figur auf der Bühne ist. Fortuna, die Schicksalsgöttin, und Virtù, Vertreterin von Tugend und Tapferkeit, sind erst gar nicht angereist. Nur Amor ist erschienen, um den Menschen stupende erotische Energien einzuflößen. Allein, das Singen hat auch der Liebesgott anscheinend verlernt....
Für Wilhelm Furtwängler war er der «schwärzeste Bass» auf Erden, aber es ist nicht allein dieser Superlativ, der Gottlob Frick (1906-1994) zu einem Jahrhundertsänger machte. Ein unverwechselbares Timbre, makellose Technik und eine unbestechliche künstlerische Integrität zeichneten ihn aus und sicherten seinen Nachruhm. Mehr als fünf Jahrzehnte lang (1934-1985) war...
