Ohne Strom
Vielleicht waren die Erwartungen (vor allem unsere) zu hoch geschraubt, wog der Ballast der Rezeptionsgeschichte zu schwer, wirkte der unbedingte Wille, Neues, Anderes, Außerordentliches schaffen zu wollen, wie eine Bremse für die Inspiration. Und vielleicht steckte schon im konzeptuellen Ansatz dieses Abends das hinterhältige Teufelchen.
Traurige Erkenntnis ist jedenfalls, dass diese «Zauberflöte» an der Staatsoper Unter den Linden, die nach einem Vierteljahrhundert aufgeboten wurde, um August Everdings gediegen-poetische Inszenierung abzulösen (wiewohl diese in der laufenden Spielzeit und auch danach noch auf dem Spielplan steht), eine herbe Enttäuschung ist.
Es fängt mit der Musik an. Alondra de la Parra, relativ kurzfristig für den knieverletzten Franz Welser-Möst eingesprungen, ist mit der Aufgabe sichtlich überfordert. Man mag besänftigend konzedieren, dass der jungen mexikanischen Dirigentin, die eigentlich erst im nächsten Jahr ihr Berliner «Zauberflöten»-Debüt geben sollte, nur wenige (End-)Proben zur Verfügung standen, um sich an die Akustik der Lindenoper und an das (für sie neue!) Stück zu gewöhnen. Allein, zu keinem Zeitpunkt lässt sie eine individuelle ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt April 2019
Rubrik: Im Focus, Seite 14
von Jürgen Otten
Fast ist es wie bei Richard Wagner in Nibelheim: Der Big Boss der Götter hat Mühe, seinen Laden zusammenzuhalten. Zum Karneval 1675 servierte Giulio Cesare Corradi eine wilde Geschichte aus dem Olymp – am Teatro Vendramin in Venedig, in der Nähe der Rialto-Brücke. Die im Titel erwähnte Aufteilung der Welt zwischen Jupiter und den Abteilungsleitern für das flüssige...
Im dialektischen Sinn verhält sich das experimentelle Musiktheater «Lullaby Experience» passgenau zum diesjährigen Motto des Festivals «Frankfurter Positionen». Denn in Pascal Dusapins Musiktheater geht es gar nicht um «Grenzen der Verständigung», sprich: um Kommunikation oder deren Scheitern. Sondern um das Aufrufen und Verdichten frühester musikalischer und...
Der Name klingt nicht nach Afrika. César Francks «Hulda» spielt im frühmittelalterlichen Norwegen, zur Zeit der kriegerischen Sippen. Der belgisch-französische Komponist hatte für sein Opernprojekt das erfolgreiche Drama «Halte-Hulda» des späteren Literatur-Nobelpreisträgers Bjørnstjerne Bjørnson ausgewählt. Mit der Psychologie der Vorlage vermochte das Libretto...
