Krampfloses Miteinander
Erstaunlich genug, wenn eine große Opernsängerin nach ihrem Abschied von der Bühne eine zweite Karriere als Theaterleiterin mit Erfolg durchhält. Noch erstaunlicher, wenn sie auch als Inszenatorin immer mehr überzeugt. Nicht erst jetzt, nach dem Ende ihrer Intendanz in Innsbruck, zeigt sich Brigitte Fassbaender als erfahrene, aber auch neugierig-innovative Regisseurin, die zwar die Opern auf der Bühne «gerne wiedererkennt», gleichzeitig aber zu den Bewunderern schärferer Exegeten wie Harry Kupfer oder Calixto Bieito gehört.
Wenn die Künstlerin nun an der Oper Frankfurt «Ariadne auf Naxos» von Strauss inszenierte, war genaues Hinsehen und Hinhören auf Text und Musik zu erwarten – schließlich war Strauss immer eine wichtige Domäne für sie –, aber auch eine mit den Wassern des einschlägigen Regietheaters gewaschene gründlichere und pfiffigere Lesart. Die Erwartung wurde nicht enttäuscht, sondern übertroffen.
Attraktiv schon das propere Bühnenbild von Johannes Leiacker: ganz unverspielt, eher streng in den Proportionen. Die Intention, Vorspiel und Stück enger aneinander zu binden, verhieß vielleicht nichts Himmelstürmendes, brachte aber Beträchtliches. Es war vor allem der Komponist ...
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Opernwelt Dezember 2013
Rubrik: Panorama, Seite 36
von Hans-Klaus Jungheinrich
Kunst und Macht – das ist eine unendliche Geschichte. Eine Geschichte mit vielen Facetten. Eine, die uns bis heute in Atem hält. Und manchmal den Atem verschlägt. Dass sich Künstler immer wieder mit der Macht arrangieren oder arrangieren müssen, ist nicht neu. Mozart komponierte vor allem, zähneknirschend, im Auftrag der höfischen Gesellschaft seiner Zeit....
Der 150. Geburtstag Claude Debussys im vergangenen Jahr hat seiner einzigen vollendeten Oper «Pelléas et Mélisande» wieder verstärkte Aufmerksamkeit verschafft. Zum Zeitpunkt der Uraufführung (1902) war sie ein revolutionäres Werk, das sich mit Konsequenz aus den damals in Paris dominierenden Trends des Wagnerisme und eines Realismus à la «Louise» zu befreien...
Fast ein Jahrzehnt ist es nun her. Aus der Übersättigung mit Händel & Co., angerichtet meist als pikantes, hochkalorisches Menü, wurde eine Hungerkur: München zählte wieder zur Barock-Diaspora – auch weil mit Nikolaus Bachler an der Bayerischen Staatsoper ein Intendant ans Ruder kam, der dem Repertoire vor Mozart wenig abgewinnen kann. Dabei bieten sich Spielorte...
