Sarastros Kuss
Schwierig ist er, der Weg der Prüfungen, den Pamina und Tamino zu beschreiten haben. In dieser Produktion der Elsässischen Rheinoper verbergen sich hinter den Schreckenspforten die ganz großen Katastrophen – Tornado, Tsunami. Die echte Natur hat die virtuelle wieder eingeholt, scheint Regisseurin Mariame Clément damit in ihrer Zauberflöten-Deutung sagen zu wollen: Die Laborversuchsanordnung des Sarastro bricht auf, und zum Vorschein kommt wieder jene Wildnis, die man schon aus dem ersten Akt kennt.
Ob das ein post- oder prä-apokalyptischer Zustand ist, sei dahingestellt, jedenfalls wirken die beiden Welten erst mal versöhnt, und durch den Kuss des Sarastro scheint die Königin der Nacht nun teilhaben zu dürfen an der «Welt der Sonne» – die Gegensätze ziehen sich menschelnd an.
Mit einem Marionettentheater vergleicht die französische Regisseurin die Zauberflöte da, wo es um die Beziehung dieser beiden zentralen Figuren geht, über deren Verortung sich die Interpreten immer wieder uneins sind. Und so ist dieses Ende auch wie ein Märchenschluss zu sehen, denn Sarastro und die Königin bleiben den ganzen Abend über seltsam eigenschaftslos. Naturprinzipien flankieren die «Sternflammende» ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Februar 2013
Rubrik: Panorama, Seite 46
von Alexander Dick
Jacques Offenbachs einzige Oper hat es in sich: Obwohl Freud noch längst nicht in Sicht war, drängen sich angesichts der an Traumsequenzen erinnernden Handlung psychoanalytische Deutungsmuster auf. Drei bizarre Liebesgeschichten erzählt der dauertrunkene Dichter Hoffmann – für den E. T. A. Hoffmann Pate stand – seinen Saufkumpanen im Laufe einer durchzechten Nacht....
Vor der Opéra Bastille demonstriert eine dichte Menschenmenge für die Homoehe, es erfordert Geduld und Körpereinsatz, sich überhaupt den Weg ins Theater zu erkämpfen. Da macht die Biederkeit der neuen Pariser Carmen doch recht betroffen: Söldner in beigen Uniformen treffen in einer Lagerhalle auf Tabakarbeiterinnen, deren bunte Trägerhemdchen unterm offenen Kittel...
Gerötete Gesichter, glasige Blicke – fast ist man überrascht, in der Pause nicht jedermanns Haar steil nach hinten geföhnt zu sehen vom Sturm der Töne. Operndirektor Jan Michael Horstmann lässt aus dem Graben die Zirkusmusik von Wagners «Jugendsünde» schrillen, fröhlich kräht dazu der Chor, monströse Brüllarien ziehen vorüber: In der «großen komischen Oper» Das...
