Von Olimpia zu Anna

Historische Recitals aus sieben Jahrzehnten bei Preiser, Relief, Nimbus, Decca und Sony/BMG

Opernwelt - Logo

Welcher Opernfreund wäre nicht gern bei den Uraufführungen von Verdis «Otello» und «Falstaff» dabei gewesen? Aufnahmen mit Francesco Tamagno, Victor Maurel und Edoardo Garbin geben uns eine Vorstellung davon, wie damals gesungen wurde. Jetzt hat Preiser den ersten Lodovico und den ers­ten Pis­tola auf einer CD vereint: die Bassis­ten Fran­cesco Navarini (1855-1923) und Vittorio Arimondi (1861-1928), zwei Sänger mit imposanten Stimmen, deren Vortragsstil dennoch gelegentlich befremdet.

Navarini lässt in der vehement durchchargierten Verleumdungsarie kaum einen komponierten Ton übrig, und Arimondi verzerrt «Il lacerato spirito» durch rhythmische Eigenwilligkeiten fast bis zur Unkenntlichkeit. Am ehesten an die alten Belcanto-Zeiten erinnert der stimmlich blassere Giovanni Gravina (1872-1912) mit vier Bonus-Titeln aus dem Jahr 1902.
Eine legitime Anwärterin auf den Thron Adelina Pattis war die in Genua geborene, aus Spanien stammende Olimpia Boronat (1867-1934), deren Karriere sich aus familiären Gründen (sie war mit einem polnischen Grafen verheiratet, mit dem sie fünf Kinder hatte) vor allem in Osteuropa abspielte. Zehn Titel, 1904 mit Klavierbegleitung in Petersburg aufgenommen, ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Mai 2006
Rubrik: CDs, Seite 56
von Ekkehard Pluta

Vergriffen
Weitere Beiträge
Gefährdete Gattung

Im Fall der traditionellen chinesischen Oper (xiqu) lässt sich von einem Gesamtkunstwerk der performativen Künste sprechen. Schamanistische Prak­tiken, Tänze, Jahrtausende alte Ringkämpfe und Hochstemmwettbewerbe, Schwertschlucker und Zauberer aus dem Römischen Reich, die über die Seidenstraße ins «Reich der Mitte» gereist waren, oder Bambusstamm-Equilibristen aus...

Delirium und Himmelfahrt

Das hätte uns auch behagt: rechts eine Flasche vortrefflichen Tokajerweins, vor uns eine Dose voll Tabak aus Sevilla. Und eine Klingel, um ein junges, schönes Mäd­chen von sechzehn Jahren zur Verrichtung kleinerer Dienste ins Zimmer zu rufen. So beschreibt Lorenzo Da Ponte das Arrangement auf seinem Schreibtisch zu jener Zeit, da er zwei Monate lang und zwölf...

Die Zeit ist ein grausam' Ding

I. Eigentlich ist Lucilla die kapriziöse Zicke des Stückes. Sie gibt sich ­bescheiden und einfühlsam, doch gleichzeitig zieht sie ihren Mann in den Bankrott, indem sie ihrer Leidenschaft für Mode, Haute Cuisine, Schmuck und Partys frönt. Sie ist das genaue Gegenteil ihrer Schwägerin, der lieblichen Angelina, die ihren Namen nicht umsonst trägt und abendfüllend...