Tauziehen
Knopf drücken, auf Grün warten und rüber zur Freitreppe. So einfach lässt sich derzeit das Augsburger Theater besuchen, ganz unbehelligt von Bauzäunen oder Baggern. Der Vorplatz ist frisch herausgeputzt. Doch was drinnen wartet, verfolgt die Verantwortlichen bis in Leserbriefspalten, Stadtratsdebatten und unruhige Träume. 235 Millionen Euro soll die Sanierung eines Gebäudes kosten, das Ensemble und Verwaltung unter den Füßen wegschimmelt. Von diesem Schock hat man sich am Lech nicht erholt, mehr noch: Es ist inzwischen gehörig Gegenwind aufgekommen.
Während also Vertreter der Stadt mit dem Münchner Finanzministerium darüber verhandeln, ob der Freistaat seinen Renovierungszuschuss von 45 Prozent erhöht, haben mehr als 50 Kulturschaffende, Politiker und Architekten in einem offenen Brief Alarm geschlagen: Abgesehen von der Frage, ob man nicht andernorts neu bauen könne, müsse man sich über die «künftige Ausrichtung» des Theaters unterhalten. Überhaupt solle die Bevölkerung einbezogen werden, ein Argument, das an Debatten à la «Stuttgart 21» erinnert: Ein dumpfes Wir-haben-von-allem-doch-nichts-gewusst-Gefühl regt sich – obwohl Fakten und Pläne seit Langem auf dem Tisch liegen.
Ausgerec ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Juli 2015
Rubrik: Magazin, Seite 76
von Markus Thiel
Aribert Reimanns «Lear» war ursprünglich für die Hamburgische Staatsoper gedacht (vom damaligen Intendanten August Everding in Auftrag gegeben). Es dauerte mehr als dreißig Jahre, bis das weltweit erfolgreiche Stück dort endlich ankam. Die szenisch von Karoline Gruber und musikalisch von Simone Young verantwortete Aufführung wurde in «Opernwelt» durch Jürgen...
Der Startenor Adolphe Nourrit hatte 1829 in der Premiere von Rossinis «Guillaume Tell» die Rolle des Arnold gegeben; 1939/40 auch in Donizettis geplanter Oper «Les Martyrs» die Hauptrolle zu kreieren, war sein großer Wunsch. Es sollte nicht sein: Der von Depressionen geplagte Sänger stürzte sich im März 1839 aus einem Fenster in den Tod. Mit dem amerikanischen...
Wie Ameisen auf der Haut fühlt sich diese Musik an. Ein fortwährendes Kribbeln, kaum zu lokalisieren zunächst. Dann plötzlich beißender Schmerz: jähe Präsenz und Wachheit. In «Written on Skin» entdeckt George Benjamin das Große im Kleinen, also braucht auch Otto Tausk am Pult keine wuchtige Geste: Oft sind es die scheinbar flüchtigen Momente, ein Vibrieren der...
