Die Zukunft hat begonnen
Den neuen Stil merkt man auf den ersten Blick: «Menschen gestalten – Zukunft bewegen», heißt es in großen weißen Lettern über der Bühne des Dessauer Theaters. Nachdem das Haus unter der Leitung von Johannes Felsenstein eine Trutzburg konservativer Repertoirepflege war, setzt das neue Leitungsteam auf Regietheater mit Aktualitätsanspruch.
Auf den Tag der deutschen Einheit hatte man die «Lohengrin»-Premiere angesetzt, und spätestens im dritten Akt, wenn über der Brautgemach-Szene der Slogan «Vertrauen in Deutschland» hängt, ist klar, dass Regisseurin Andrea Moses die Moral von der Geschicht’ durchaus auch auf die Berliner Republik bezogen wissen will. Vertrauen will man den Volksführern auf der Bühne zu diesem Zeitpunkt schon längst nicht mehr: Dass mit dem schmierigen Jungpolitiker Lohengrin etwas nicht stimmt, deuteten schon sein mit viel PR inszenierter Auftritt und erst recht sein unsauberes Verhalten beim Duell an.
In Dessau wird «Lohengrin» zum handfesten Politkrimi. Und wie in einem guten Krimi sind die scheinbar Guten am Ende die Bösen. Das ist verblüffend stringent, weil Andrea Moses ganz nah am Text bleibt. Das Negativ-Image Lohengrins etwa verträgt sich ausgezeichnet mit ...
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Sigrid Neef ist eine Überzeugungstäterin in Sachen Rimsky-Korsakow. Schon vor einem Vierteljahrhundert räumte sie in ihrem «Handbuch der russischen und sowjetischen Oper» den Bühnenwerken des hierzulande hauptsächlich als Schöpfer der sinfonischen Dichtung «Scheherazade» bekannten Nikolai Rimsky-Korsakow einen zentralen Platz ein. Später hat sie zu dem von Ernst...
Das anfängliche Bauchgrummeln, die Angst vor der neuen Spielplan-Linie räumt Intendant Ulrich Peters gern ein. Doch der Erfolg gibt ihm im Nachhinein Recht: Der frühe Verdi, das haben «I masnadieri» vor einem Jahr gezeigt, funktioniert am Gärtnerplatztheater bestens. So gut, dass man für die Münchner Erstaufführung von «Giovanna d’Arco« noch einmal zu denselben...
Christoph Meyer, der neue Intendant der Deutschen Oper am Rhein, hat seine erste Spielzeit mit zwei Paukenschlägen begonnen: Benjamin Brittens «Peter Grimes» im Opernhaus Düsseldorf und Richard Strauss’ «Salome» im Theater Duisburg. Musikalisch liegen zwischen Brittens sprödem Bekenntniswerk und Strauss’ mit der tödlichen Präzision eines Uhrwerks ablaufendem...
