Zum Traum wird hier die Zeit
Der Klang schleicht sich samtpfotig heran, ist kaum mehr als ein Säuseln im Wind – man muss die Ohren spitzen, will man hören, wie die Pauke in Kundrys Heilands-Erzählung auf dem Wort «gequält» tief unten, beim f, einsetzt und jenen triolisch pochenden Rhythmus initiiert, dem auch Klarinette, Englischhorn und Celli folgen, pianissimo espressivo, in kaum merklich verändertem Melodieverlauf.
Wieder erklingt das Abendmahlmotiv vom Beginn, doch in der as-Moll-Variante, dann aber schon beim Es enharmonisch verändert, um über e-Moll, bei Kundrys Bekenntnis «Ich sah ihn» zu lichtem H-Dur zu gelangen. «Sehr langsam und feierlich» wünschte sich Richard Wagner diese Passage, und genau so dirigiert Philippe Jordan sie, um dann einen Coup de musique zu landen: Nach dem flötenbegleiteten Absturz der Gesangslinie (bei «lachte») hat Wagner eine Fermate notiert. Jordan dehnt sie fast bis zur Ewigkeit. Der Blick, der Kundry gleich danach treffen, sie in tiefste Verzweiflung stürzen wird, hier ist er Musik geworden. Zum Traum wird hier die Zeit.
Claude Debussy bezeichnete «Parsifal» als «eines der schönsten Klangdenkmäler, die zum unvergänglichen Ruhm der Musik errichtet worden sind». Man muss ...
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Opernwelt Juli 2018
Rubrik: Im Focus, Seite 8
von Jürgen Otten
Frau Steier, Sie wollten ursprünglich Sängerin werden, haben am Oberlin Conservatory in Ohio in den 1990er-Jahren ein komplettes Studium absolviert. Warum ist daraus nichts geworden?
Ich hatte einfach nicht die Nerven für diesen Beruf. Das Singen an sich war nicht das Problem. Erst recht nicht das Spielen auf der Bühne. Aber beides zusammen? Da bin ich immer in...
Die stärkste Stimme kommt ohne Worte aus. Ein oszillierendes Irgendetwas ist aus dieser Partitur zu vernehmen, mit stufenlosen Wechseln der Aggregatzustände, irisierend, so unfassbar wie verlockend. Vor allem aber: gekonnt instrumentiert. In der musikalischen Ausstattung des Ozeans, dem Glück und Verheerung bringenden Protagonisten, fand Detlev Glanert seine...
Weltabschiedsweise tönt es gleich mit den ersten Takten aus dem Orchestergraben – mit einem Zitat aus dem dritten Aufzug von Wagners «Parsifal». Der Blick ins Libretto von Yona Kim, die ihre eigenen Szenenanweisungen als Regisseurin der Uraufführung freilich durchweg ignoriert, offenbart für das Vorspiel von Peter Ruzickas dritter Oper dazu passend «eine Lichtung...
