Toscanini!
Ein tönender Überfall. Kopfüber stürzt sich das Orchestre philharmonique de Strasbourg in diesen «Fidelio». Das Fanfarenmotiv am Beginn der Ouvertüre: wie ein Startschuss, schnell, fast schon hastig, alles beiseite drückend, keinen Einwand duldend, basta. Der Straßburger Beethoven-Tonfall ist eher harsch, wie abgerissen, schmucklos drängend, ja, dringlich, Verve ohne Federlesens, ungehobelt beinahe, im Langsamen von schier brütender Intensität. Toscanini!, denkt man beiseite. Jedenfalls bestimmt die Musik das Klima dieser Koproduktion mit Toronto und Nürnberg.
Erstmals an der Opéra du Rhin am Pult: Marc Albrecht, seit einem Jahr (Konzert-)Chef des Orchesters. Die Arbeit trägt ohrenscheinlich Früchte. Drall und Drive der hier wieder mal eingeschobenen, ohne Pause in den Finalappell überführten dritten Leonoren-Ouvertüre sind ungeheuer.
Andreas Baeslers Regie auf Andreas Wilkens‘ Bühne ist von der Idee her bestechender als im inszenatorischen Detail. Das Manhattan aus Schubladentürmen, die sich am Ende zum Karteiblätterregen neigen, als seien sie entwurzelt; diese Bau-gewordene, groteske Menschenfeindlichkeit; die zivile Kleidung, die, einer Hoffnungsfolter gleich, aus dem ...
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Wie bringt man es vom Statisten eines Dresdner Operettentheaters zum Kammersänger der Berliner Staatsoper und zum Kunst- und Nationalpreisträger? Harald Neukirchs an künstlerischen Höhepunkten reiche Karriere gibt auf diese Frage eine Antwort: Neben dem Geschenk einer ausdrucksvoll timbrierten hohen Tenorstimme mit ihrer bis ins Alter hinein jugendlichen...
Quelvecchio maledivami – der Fluch des Monterone trifft Rigoletto schon während des kurzen Vorspiels, wenn er aus dem Kasten des Souffleurs klettert und einen grünen Overall über seinen Straßenanzug zieht. Er schminkt sich und setzt sich das Signum seiner Arbeit auf: die Narrenkappe. Seine Wirkungsstätte – «eine prachtvolle Halle im Palazzo des Duca di Mantua»...
«Überkandidelt», sagte jemand nach der Premiere von Strauss’ «Capriccio» an der Wiener Staatsoper. Das Wort mag etwas mit dem Kandieren zu tun haben, einer Konservierungsmethode für Obst, die den Zuckergehalt erhöht und den Wassergehalt reduziert. Die Assoziation hätte etwas für sich, denn der Gehalt von Strauss’ Partitur an reifer, gelegentlich überbordender Süße...
