Gediegener Realismus
In der Kassenhalle des Kroatischen Nationaltheaters stehen Monitore, auf denen unentwegt tonlose Clips von Inszenierungen des Hauses laufen. Sie geben eine erste Vorstellung davon, wie sich das Dreispartenhaus ästhetisch positioniert. Auf dem Gebiet der Oper scheint die Devise zu lauten: Weg vom Museum, Anschluss ans zeitgenössische Musiktheater, aber keine Experimente! Diesen Erwartungen entspricht dann auch die neue Produktion von Janáceks «Jenufa»; es ist die erste seit 1946, nachdem das Stück die Jahrzehnte zuvor häufiger auf dem Spielplan stand.
Ozren Prohics Inszenierung vermeidet Folklore ebenso wie symbolische Überhöhungen, pflegt vielmehr – in den sparsamen, aber aussagekräftigen Bühnenbildern Branko Lepens – einen gediegenen Realismus. Die Handlung ist in ein nicht näher definiertes Heute verlegt, was bei einem Stück wie diesem gut funktioniert, da sich die gesellschaftlichen Strukturen in ländlichen Gebieten seit 1905 nicht wesentlich geändert haben. Das Innere der Mühle wirkt wie ein Gefängnis, in dem eine Kolonne von Arbeiterinnen Frondienst leistet. Im Wohnzimmer der Küsterin hängen kitschig angeleuchtete Heiligenbilder, auf dem Fernseher steht die Mutter Gottes. Das ...
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Opernwelt Juli 2012
Rubrik: Panorama, Seite 56
von Ekkehard Pluta
Der Großsponsor der Wiener Festwochen spendiert in diesem Jahr jedem Besucher einen putzigen Kugelschreiber mit nautischem Innenleben: Hält man das Schreibgerät schief, segelt eine winzige Galeone den gläsernen Schaft hinunter. Sie schafft Verbindung zum Cover der Festwochen-Broschüre und dem offiziellen Plakat: Zwei afrikanische Roomboys mit Bodenschrubbern links...
Es gibt Tode, auf die man entgegen aller Wahrscheinlichkeit nicht vorbereitet ist. Nicht nur diejenigen, die Dietrich Fischer-Dieskau nahe standen und von den Nöten der letzten Jahre, Monate, Wochen wussten, traf es wie ein Schlag. Denn die Legende, zu der er längst geworden war, will sich nicht mit geminderter Gegenwärtigkeit vertragen. Wer eine von seinen...
Henry James’ «The Turn of the Screw» gehört zu den rätselhaftesten und zugleich faszinierendsten Erzählungen der Weltliteratur. James entfaltet mit geradezu kriminalistischer Spannung die gespenstische Atmosphäre in einem englischen Landhaus, ohne dem Leser am Ende eine Lösung zu bieten. Sind es die beiden elternlosen Kinder Miles und Flora, die von den Geistern...
