«Ich bin kein Übelnehmer»

Im April hat er seinen 90. Geburtstag gefeiert. Und immer noch zieht es ihn aufs Podium. Ein Junggebliebener voller Elan, Weisheit und Humor. Sir Neville Marriner blickt zurück auf die großen Zeiten mit der Academy of St Martin in the Fields

Opernwelt - Logo

Sir Neville, Sie waren einer der wichtigsten Dirigenten der Sechziger- bis Achtzigerjahre – bis die Spezialisten der Alten Musik kamen und Ihnen das Repertoire entrissen. Haben Sie mit denen eine Rechnung offen?
Nein, ich war eher erfreut. Der Siegeszug der historischen Aufführungspraxis hatte zur Folge, dass wir uns fortbewegen konnten und nicht immer dasselbe Repertoire rauf und runter spielen mussten. Wir konnten uns dem 19. Jahrhundert zuwenden. Und der Oper! Das hatten wir uns vorher nicht getraut.

Freilich bin ich immer noch dafür, die Musik nicht zu kalt aufzuführen. Und nicht zu zurückhaltend. Ich glaube, dass Barockmusik mit mehr Gefühl musiziert werden muss, als das bei heutigen Ensembles der historischen Aufführungspraxis der Fall ist.

Ihre Verdienste um die Ausgrabung vergessener Werke sind enorm. Man könnte sagen: Sie haben das Bett gemacht, in dem sich dann die Spezialisten der Alten Musik tummeln sollten ...
Stimmt (lacht.) Aber das macht mir nichts aus. Übrigens gibt es zwischen der Academy of St Martin in the Fields und späteren Spezialensembles keine feste Grenze. Christopher Hogwood war viele Jahre hindurch unser Cembalo-Spieler. Als er sich entschied, die Academy ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt November 2014
Rubrik: Interview, Seite 40
von Kai Luehrs-Kaiser

Weitere Beiträge
Checkliste des Grauens

Nur mal kurz in die Debatte geworfen, schon lösen gewisse Namen etwas aus. Blut, Schweiß, Sperma, Gewalt – das sind die Stichwörter des Pawlow’schen Denkreflexes, wenn der Name Calixto Bieito fällt. Ein solcher Name nützt auch in einem praktischen Sinn: Er gewährt (dauerhaften) Zutritt zum internationalen Regiezirkus. Jetzt mischt Bieito auch am Staatstheater...

Letzte Erfüllung?

Die Musik von Bach bis Richard Wagner und Richard Strauss ist Höhe- und Schlusspunkt göttlichen Menschentums, letzte Erfüllung und Enthüllung des Mythos.» Am 25. Februar 1944 wurde dieser erhaben gestimmte Satz zu Papier gebracht – freilich nicht von einem Parteigänger der Blut-und-Boden-Ideologie, der im Angesicht des drohenden Untergangs verzweifelt die Vormacht...

Aus der Vogelwarte

Nicht zuletzt in zwei Kurzopern über die Macht der Musik sollten bei den Bregenzer Festspielen auch Kinder und Familien auf ihre Kosten kommen. Mark Down, in der «Zauberflöte» auf der Seebühne für das Puppenspiel verantwortlich (siehe OW 9-10/2014), inszenierte zum ersten Mal eigenhändig – und schuf für die Märchenfiguren in Strawinskys «Le Rossignol» mit einfachen...