Über alle Grenzen hinweg

Essayistik, Theaterkunde, Filmgeschichte: Es gibt viele Arten, sich Wagner zu nähern

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Die sechs Essays, die Friedrich Dieckmann unter dem Titel «Das Liebesverbot und die Revolution» im Insel Verlag gebündelt hat, sind nicht neu und wurden zwischen 1993 und 2011 erstmals veröffentlicht. Ihren Wert mindert das nicht. Dieckmann ist als Kulturhistoriker ein Essayist im emphatischen Sinn des Wortes: Anschaulich, detailgesättigt, trotzdem skrupulös schreibt er, Entwicklungen seines Protagonisten weniger abstrakt diskutierend als durch Situationen, Menschen und Ereignisse plastisch verdeutlichend. Kurz: Dies ist ein Lesebuch.

Durchaus schlüssig, dass es mit einem Kapitel über «Wagner im Bilde» (von den frühen Kietz-Karikaturen bis zum späten Renoir-Gemälde) endet: So wie vorher die Sprache immer wieder Bilder evoziert hat, lösen die Bilder nun eine feine Beschreibungssprache aus.

Dass Dieckmanns geschichtsphilosophische Perspektive aus der Ecke von Adorno, Bloch und Brecht kommt, ist ebenso bekannt wie die Tatsache, dass er sich (zu) selten auf die Musik einlässt. Die beiden großen, komplementären Kapitel widmen sich «Richard Wagner in der deutschen Revolution» und seiner «postrevolutionären Zuflucht» in ­Zürich. Bakunin, der Anarchist, den Wagner noch als alter Mann ...

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Opernwelt Dezember 2013
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 26
von Stephan Mösch

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