Unglück der Erinnerung
Der Held ist absent. Hat sich aus dem Staub gemacht, kurz bevor es ernst zu werden drohte. Nichts wird es nun mit der anberaumten Hochzeit zwischen ihm, Parsifals Sohn, und der edlen Jungfrau Elsa. Leer geräumt steht die Hochzeitsvilla, leer geräumt ist Elsas Seele. Und wie leer geräumt sind auch die Klänge, die durch die hohen Räume vagieren, ausgehöhlt, geräuschhaft und doch: insistierend. Klänge sind es, die aus dem Nichts zu kommen scheinen und eben dorthin auch wieder streben. Klänge, die vom Abschied erzählen und vom Irresein.
Es ist eine beklemmende Szenerie, die in der azione invisible per solista, strumenti e voci «Lohengrin» von Salvatore Sciarrino imaginiert wird. Fern jeder romantischen Verschwendungssucht, bewegt sich die Musik, 1982 komponiert und 1984 veröffentlicht, wie ein Schatten durch die Welt; ein sehr schmaler Schatten. «Lohengrin», das vielleicht spektakulärste Bühnenwerk Sciarrinos, verweigert sich einer epischen Erzählweise. Es ist radikale Reduktion, musikalisch wie szenisch. Das Sich-nicht-Ereignen ist das Programm dieses Anti-Musiktheaters, sein Kern, auf dieser Verweigerungshaltung fußt das dramaturgische Konzept: «Die Töne», so Sciarrino, «sind ...
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Im Schatten der Händel-Hits «Giulio Cesare» und «Alcina» hat es der 1733 uraufgeführte «Orlando» zu erstaunlicher Popularität gebracht. Über dreißig Inszenierungen hat die Oper um den wahnsinnigen Rittersmann allein in den letzten zehn Jahren erlebt, doch die Produktion der diesjährigen Göttinger Händel-Festspiele braucht den Vergleich nicht zu scheuen. In der...
Einer der unumstößlichen Regiegrundsätze lautet: Wer sich bei Kollegen freimütig bedient, sollte sich nicht erwischen lassen – und wenn doch, dann wenigstens dazu stehen. Beides ging bei der diesjährigen Eröffnung der Wiesbadener Maifestspiele daneben, die einerseits zum großen Erfolg für GMD Marc Piollet und sein Orchester wurde, andererseits aber ein...
Vielreisende in Sachen Oper kennen das: Manches von dem, was ihnen auf der Bühne begegnet (zumindest in den zum Kanon gezählten Werken des Musiktheaters), erscheint in Momenten oder gar ganzen Szenen wie etwas, das schon mal da war – so oder ähnlich. Ein leises Raunen und Flüstern ist dann zu bemerken, eine unterschwellig entrüstete Unruhe – wir wollen es der...
