Kunst der einfachen Geste

Neue CDs und DVDs mit Mozarts Opern – eine Übersicht

Opernwelt - Logo

Vornehm ausgedrückt, haben wir es mit lauter überreizten Figuren zu tun. Sie fuchteln in grellem Licht mit ihren Messern, das Blut spritzt munter, die Bühne gleicht einem Müllhaufen. Es wird gesexelt und proletet, gespuckt, gesoffen und deliriert. «Don Giovanni» aus der Sicht Calixto Bieitos. Wir wollen diese Zeilen lieber nicht damit füllen, wie der katalanische Regisseur Mozarts Oper zerlegt, zumal man über das Seelenleben des Titelhelden herzlich wenig erfährt.

Stattdessen sei daran erinnert, wie die bundesdeutschen Feuilletons diese Inszenierung nach ihrer Premiere in Hannover zerfleddert und hochgejubelt haben, wie ratlos die Köpfe geschüttelt und eifrig Bravi geschrieben wurden.
Bei der nun veröffentlichten DVD-Produk­tion handelt es sich um die Montage zweier Mitschnitte aus Barcelona. Zur Erinnerung: Bei Bieitos «Don Giovanni» handelte sich um eine internationale Koproduktion mit der English National Opera London (Premiere im Juni 2001), mit der Staatsoper Hannover und eben dem Gran Teatre del Liceu Barcelona.
Wer vor Bieitos Schreddermaschine, in der nacktes Fleisch, Folter, Mord, Vergewaltigung und sonstige Zutaten wild und gelegentlich auch in Kongruenz zur Musik ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt September/Oktober 2006
Rubrik: Im Focus, Seite 32
von Christoph Vratz

Vergriffen
Weitere Beiträge
Auf Grund

Vor zwanzig Jahren – so die in Bremen lebende koreanische Komponistin Youn­ghi Pagh-Paan – habe sie den Auftrag noch abgelehnt, eine Oper zu schreiben: «Jetzt konnte ich eine Oper schreiben – jetzt weiß ich, was Gesang ist.» Gerade am Gesang aber lief ihre Kammeroper «Mondschatten» auf Grund. Pagh-Paan hatte sich von der Stuttgarter Dramaturgin Juliane Votteler ein...

Der Don-Juan-Komplex

«O Gott! Wer ist dieser Mann?», fragt Isabella im Tirso de Molina zugeschriebenen, doch vermutlich von An­drés de Claramonte verfassten «El Burlador des Sevilla». Die Antwort kommt präzise wie ein Dolchstoß: «Wer ich bin? Ein Mann ohne Namen.»
Ohne Namen, ohne (persönliche) Eigenschaften – eher provokante Spiegelung der jeweiligen gesellschaftlichen Situation. Don...

Endspiel

Gehäufte Schönheiten und Sinnigkeiten, bekannte der Dichter, habe er an seinem inneren Auge vorbeiflanieren sehen, als er die Schlussszene vernahm: das erste Auftauchen der Schwert-Idee, die wundervolle Manipulation des Walhall-Motivs, Loges genial charakterisierende Zwischenreden und vor allem jenes unbeschreiblich sentimental zu Herzen gehende «Treulich und treu...