Neun Tote für alles
Snape Maltings mag von herrlicher Natur umgeben sein – als Spielort für naturalistische Inszenierungen eignet sich die alte Mälzerei, die Benjamin Britten für sein Festival zur Konzerthalle umbauen ließ, eher weniger. Regisseur Neil Bartlett versucht sich daran gar nicht erst. Er lässt die Kulissen von einer neunköpfigen Schlägertruppe umräumen. Hölzerne Stellwände fungieren hier als Schultafel in Coyles Militärakademie, dort als verblichen tapezierte Rückwand, vor der die Familie berät, wie man Owen die pazifistischen Flausen austreiben kann.
Später werden sie zum beengenden Spukzimmer zusammengeschoben, in dem Owen, von Kate Julian zur Mutprobe angestachelt, die Nacht verbringt und seinen rätselhaften Tod stirbt. Die zeitgenössischen britischen Armee-Uniformen der Kulissenschieber lassen keinen Zweifel daran, dass man sich beim Aldeburgh Festival für eine brutal-militaristische Lesart von «Owen Wingrave» entschieden hat. Den neun Schauspielern – im Programmheft als «die Toten» ausgewiesen – obliegen noch weitere Aufgaben: Sie verkörpern die Mitglieder der Ahnengalerie, die auf die Auseinandersetzung zwischen Owen und der Wingrave-Sippe herabblicken, und drohen an anderer Stelle ...
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Opernwelt August 2014
Rubrik: Panorama, Seite 44
von Tom Sutcliffe
Katzen, überall diese penetranten, asiatischen Katzen. Manche kleiner, manche größer. Die batteriebetriebenen Kitschtierchen blinken aus dem Gerümpel hervor, das sich auf der Bühne türmt: Jede Menge Kochgeschirr, Stühle, Tische, Hausrat aller Art, wie in der Wohnung eines Messies, der einen Teil der armseligen Habe auch in Kunststoffbeuteln verschnürt....
Ein freier Tag in Zürich. Ich streife durch die Geschäfte, auf der Suche nach einem Souvenir. Eine Rolex! Kein Geld, die Gage gibt’s nicht her. Manche kriegen sowas geschenkt, aber ich bin (noch!) nicht berühmt genug. Ein Raclette-Grill? Zu sperrig. Eine Kuckucksuhr? Zu hässlich. Dann eben ein richtig gutes Schweizer Taschenmesser. Das war vor zwanzig Jahren. Auf...
Hoch gelobt, aber kaum gespielt, das ist das Schicksal von Berthold Goldschmidts musikalischer Tragikomödie «Der gewaltige Hahnrei» – 1932 in Mannheim uraufgeführt, dann unter das Verdikt der Nationalsozialisten geraten, 1992 konzertant und 1994 szenisch in Berlin wiederentdeckt, danach nur noch in Bern und in Darmstadt angerührt. Jetzt hat sich das Stadttheater...
