Wirbelwind am Domhof

Seit Holger Schultze 2005 die Leitung der Osnabrücker Bühnen übernahm, grassiert in der Stadt das Theaterfieber. ­Uwe Schweikert lässt Stationen eines bemerkenswerten Aufbruchs Revue passieren, an dem Generalmusikdirektor Hermann Bäumer großen Anteil hat.

Opernwelt - Logo

Er kam, strahlte und siegte», schrieb die «Frankfurter Rundschau» im Juli 2006. Die Rede ist von dem neuen Osnabrü­cker Inten­danten Holger Schultze, der seit seinem Amtsantritt im September 2005 ein wahres Theaterfieber entfacht hat. Os­na­brück, am Rand des Teutoburger Waldes im südwestlichen Zipfel Niedersachsens gelegen, gehört zu den kulturellen Mauerblümchen der deutschen Provinz, obwohl die Stadt – umgerechnet auf ihre 170 000 Einwohner – mehr für Kultur ausgibt als jede andere deutsche Kommune.


Schultze ist wie ein Wirbelwind ins Theater am Domhof gefahren, das die Osnabrücker Bürger 1909 recht selbstbewusst unmittelbar gegenüber der Bischofsburg des romanischen Doms platziert haben. Schultze, Jahrgang 1961, zuletzt sechs Jahre Oberspielleiter an den Augsburger Bühnen, hat geradezu abrupt mit der behäbigen Gangart seines Vorgängers Norbert Hilchenbach gebrochen. Und sich dabei nicht nur, wie viele neue Intendanten, aufs Optische – Logo, Werbeauftritt und den Wechsel des Programmheftformats – eingeschossen, son­dern auf einen wirklichen Neuanfang gesetzt. Personell durch die Verpflichtung von Carin Marquardt als Opern­direktorin, Marco Santi als Leiter des Tanztheaters und ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt November 2007
Rubrik: Theaterporträt, Seite 66
von Uwe Schweikert

Vergriffen
Weitere Beiträge
Sehnsucht nach dem «Draußen»

Ein Intendanz-Auftakt der leiseren, der eher unspektakulären Art: Tatjana Gürbacas Inszenierung von György Ligetis «Le Grand Macabre», mit der Generalintendant Hans-Joachim Frey als Nachfolger von Klaus Pierwoß seine Bremer Amtszeit beginnen lässt, verzichtet auf den Paukenschlag, der mit diesem so überschäumend vitalen Werk durchaus möglich gewesen wäre, und setzt...

Erinnerung, bestätigt

Zwar ist die elektromagnetische Aufzeichnung der schärfste Feind nostalgischer Verklärung. Doch gelegentlich vermag sie die Erinnerung auch zu bestätigen. Etwa im Fall der Live-Aufnahme von Webers «Frei­schütz» vor 35 Jahren an der Wiener Staatsoper. Der 28. Mai 1972 war einer jener Abende, von denen man seinen Enkelkindern berichten möchte. Erstmals stand Webers...

Berliner Operngeschichte

In Berlin war er eine Institution: Helmut Krebs, der als junger Sänger 1938 zuerst an die Städtische Oper in Charlottenburg engagiert wurde und diesem Haus, der späteren Deutschen Oper, ein Leben lang, bis zu seinem letzten Auftreten als Alter Sträfling in Janáceks «Aus einem Totenhaus» in den späten achtziger Jahren, treu geblieben ist. Ein halbes Jahrhundert...