Zerbrechlich wie die Liebe
Bei Monteverdi tastet sich Orfeo mit singendem Sprechen ins Jenseits. Er beklagt den Tod seiner geliebten Euridice, gewinnt sie, verliert sie wieder und wird vom Sonnengott Apollo in den Himmel erhoben, wo er seine Angebetete künftig als Sternbild bewundern kann. Monteverdi beglaubigt den alten Mythos durch eine frische, authentische Kunstform – die Oper ist geboren. Rund 300 Jahre später, bei Schönberg, beklagt König Waldemar den Tod seiner geliebten Tove mit heldentenoraler Wucht.
Er schwingt sich zur Blasphemie auf, muss mit einer Armee klappernder Skelette durchs Jenseits reiten − bis die Sonne aufsteigt und sich der Spuk in gleißendem C-Dur auflöst. Schönberg beglaubigt die alte Sage durch eine ins Gigantische gesteigerte Kammermusik. Jeder Takt ringt um Authentizität. Die Oper ist eigentlich tot. Aber sie hat bei Korngold, Schreker, Zemlinsky irrlichternde Nachzügler und setzt mit Debussys «Pelléas et Mélisande» wieder ganz beim singenden Sprechen an.
Die «Gurre-Lieder» sind keine Oper, sondern das aufwändigste Oratorium der Musikgeschichte. Jetzt wurden sie in Amsterdam erstmals szenisch aufgeführt. Sie waren dort, quasi als double bill, am Tag nach «Orfeo» zu erleben. ...
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Opernwelt November 2014
Rubrik: Im Focus, Seite 4
von Stephan Mösch
Nicht zuletzt in zwei Kurzopern über die Macht der Musik sollten bei den Bregenzer Festspielen auch Kinder und Familien auf ihre Kosten kommen. Mark Down, in der «Zauberflöte» auf der Seebühne für das Puppenspiel verantwortlich (siehe OW 9-10/2014), inszenierte zum ersten Mal eigenhändig – und schuf für die Märchenfiguren in Strawinskys «Le Rossignol» mit einfachen...
Ein kühler Herbstbeginn in Österreichs Metropole. Passend dazu Tschaikowskys «Charodeyka» («Die Zauberin») im Theater an der Wien. Schon das Vorspiel dieses Werks tauscht die scharfkantige Helle des Sommers ein gegen ein trüberes Licht, das bereits die Kürze der Wintertage in sich trägt. Und deren Schwermut. Der Lebensfreude, die der Chor zu Beginn des ersten Akts...
Genau hundert Jahre mussten nach dem Tod von Hector Berlioz vergehen, ehe sein musikdramatisches Hauptwerk «Les Troyens» im Jahr 1969 endlich ungekürzt zur Aufführung kam. Seitdem wurde das gewaltige, nur noch durch Wagners «Ring» übertroffene Epos an allen großen Opernhäusern der Welt gespielt, zuletzt in der Inszenierung von David McVicar und unter der...
