Versteinerte Gefühle
Seit den 1980er-Jahren posieren sie in und um Covent Garden für Touristen: kupferne Zenturionen, silberne Schornsteinfeger oder vornehme Stadtbürger in Bronze. David McVicar war der erste Regisseur, der einen dieser edelmetallisch glänzenden Straßenkünstler ins Royal Opera House holte. Duncan Meadows hieß der muskulöse Mime – er verkörperte in McVicars «Salome»-Inszenierung von 2010 den nackten, blutverschmierten Henker.
Katharina Thoma hat für ihre Deutung von Verdis «Un ballo in maschera» an Covent Garden nun gleich vier lebende Statuen rekrutiert, die – im Stil steinerner Trauerskulpturen des 19. Jahrhunderts, auf Sarkophagen oder Stelen postiert – die Sängerdarsteller Joseph Calleja (Riccardo), Liudmyla Monastyrska (Amelia) und Dmitri Hvorostovsky (Renato) flankieren. Die stilistisch unentschiedene Schauerbühne von Soutra Gilmour scheint Schottland zu evozieren, während die Kostüme von Irina Bartels eher auf den Balkan verweisen und somit auch auf jenes folgenschwere Attentat des 20. Jahrhunderts, das wir mit dieser Region verbinden.
Bereits während der Ouvertüre lässt Thoma die «steinernen Gäste» in einer Traumsequenz auftreten. Im zweiten Akt kehren sie wieder und bedrohen die ...
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Opernwelt Februar 2015
Rubrik: Panorama, Seite 37
von Anna Picard
Olivier Py hat in seiner Pariser Inszenierung Francis Poulencs Passionsspiel über den Märtyrertod der Karmeliterinnen von Compiègne während der Französischen Revolution auf seinen existenziellen Anlass und Kern reduziert: die Lebens- und Todesangst der Novizin Blanche de La Force, die sich ins Kloster flüchtet, aber auch dort nicht die Ruhe findet, die sie sucht....
Ein Montagabend in Dresden, halb sieben. Vom Zwinger, vom Kempinski, von der Hofkirche her schieben sich Menschen auf den Platz vor der Semperoper. Über der Menge wehen Fahnen. Schwarz-Rot-Gold, Adler. Ortsschilder und Spruchbänder werden hochgehalten. Einige grimmig dreinblickende Glatzen stehen herum, doch die meisten sehen ganz normal aus. 17 500 Demonstranten...
Mit Zuckerlächeln piepst sie Emmerich Kálmáns Melodien. Stampft, lacht, steppt. Fliegt durch die Luft, entsorgt ihren Tanzpartner in ein Fass und tanzt den Csárdás umstandslos mit einer Frau weiter: Marika Rökk war Sylva Varescu im Film «Die Csárdásfürstin», den ihr Mann Georg Jacoby zu Beginn der 1950er-Jahre drehte. Das Teufelsweib, das aus dem Musikfilm der...
