Ein Gral für jeden

Münster: Wagner: Parsifal

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Eine «Männergesellschaft», die sich auszeichnet durch den hohen Anspruch an Gemeinschaft, an Wissen, Wahrheit, Erkennen und Sicherheit, die aber, dogmatisch erstarrt, Körperlichkeit und Sinnlichkeit (repräsentiert im «Weiblichen») ausschließt und sich damit an den Rand des Untergangs bringt: Die Beschreibung der «Parsifal»-Problematik, wie sie Regisseur Frank Martin Widmaier im Programmheft gibt, ist durchaus zutreffend.

Ebenso genau erfasst er das Telos dieses Handlungsentwurfs: die «Wiederherstellung der Ganzheit oder Ausgeglichenheit in der Gesellschaft», die «Vereinigung des emotional-‹Weiblichen› und des rational-‹Männlichen›, und zwar sowohl in Frauen, als auch in Männern». Und er übersieht auch nicht, dass die Einlösung dieses Anspruchs am Ende ausbleibt, dass auch in der Musik bis zum verdämmernden Schluss die Melancholie nicht weicht. Wie viele andere Regisseure vor ihm bringt aber auch Widmaier am Ende trotzdem Frauen (und Kinder) auf die Bühne – hier eher Mahnung an eine noch immer unabgegoltene Utopie als deren Erfüllung.

Ansonsten aber – und das ist wirklich merkwürdig – findet sich von der gedanklichen Stringenz des Programmheft-Interviews auf der Bühne wenig wieder. ...

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Opernwelt Mai 2010
Rubrik: Panorama, Seite 45
von Ingo Dorfmüller

Vergriffen
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