Kreatives Chaos
Ganz schön ungemütlich, die «Zwischenzeit». Dass ihnen der Wind der Gegenwart so heftig ins Gesicht wehen würde, hatten Stefanie Carp und ihr Team wohl kaum gedacht, als sie das Wort zum programmatischen Motto der Ruhrtriennale erklärten.
(Neo-)Kolonialismus, Reichtum und Armut, Migration, Nord-Süd-Konflikt, Nationalismus, Erosion demokratischer Strukturen: Die großen, drängenden Fragen unserer global vernetzten, unübersichtlichen Lebenswelt will Carp während ihrer dreijährigen Intendanz in den ehemaligen Industriebauten des Reviers zur Diskussion stellen – mit den ästhetischen Mitteln der zeitgenössischen Künste. Und dabei den eurozentrischen Blick auf die Problemlagen korrigieren – mit Künstlerinnen und Künstlern aus Afrika, aus Südamerika und dem Orient. All das jenseits vertrauter Genregrenzen, in forschend interdisziplinären Theater-Tanz-Musik-Projekten.
Und dann das: Weil eine schottische Hip-Hop-Band (Young Fathers), die in der Bochumer Turbinenhalle ein Konzert geben sollte, die Israel-feindliche BDS-Bewegung (Boycott, Divestment and Sanctions) unterstützt, wurden Carp unversehens antisemitische Neigungen unterstellt. Armin Laschet, CDU-Ministerpräsident des Landes ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt November 2018
Rubrik: Im Focus, Seite 24
von Albrecht Thiemann
Der Komponist Mathias Spahlinger ist ein rigoroser Verächter der Postmoderne in einem doppelten Sinn: Künstlerisch lehnt er jede Rückversicherung bei angeblich intakten Traditionen ab, erst recht allfällig wohlfeiles anything goes. In solcher Entschiedenheit steht er Helmut Lachenmann nahe. Außerdem ist er dezidierter Linker, vertraut nicht im mindesten dem juste...
Das Mittelmeer hieß im Römischen Reich mare nostrum, unser Meer, das Meer der Europäer. Wir sind nicht für jedes Leid der Welt zuständig. Für das Leid in unserem Meer sind wir zuständig. Wenn wir den Tod im Mittelmeer verhindern können, müssen wir ihn verhindern.» Das schrieb Jakob Augstein im Juli dieses Jahres im «Spiegel» in einem moralischen Appell unter dem...
Man schrieb das Jahr 1996 in den Annalen des Rossini Opera Festival: Juan Diego Flórez sollte eigentlich die kleine Rolle des Ernesto in «Ricciardo e Zoraide» singen, übernahm aber stattdessen die zentrale Tenorpartie in «Matilde di Shabran» – und wurde über Nacht zum Star. Seitdem kehrt er ungefähr alle zwei Jahre zu dem Festival zurück, das im italienischen...
